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Sara - Menschen in der Landwirtschaft, 2026
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Transkription vom 11. September 2026
+++Dies ist eine maschinelle Rohtranskription mit moderaten Glättungen. Der Text befindet sich in manueller Überarbeitung. Gerne kannst du MitTun bei biodyn.wiki+++
Herkunft und die erste Begegnung mit der biodynamischen Landwirtschaft 00:17
Hallo, mein Name ist Sarah. Ich komme aus Italien und gerade bin ich im Dottenfelderhof im Feldgarten. Hier habe ich die Landbauschule gemacht und während dieses Jahres ein bisschen einen Minijob in den Feldgärten gehabt.
Ich bin in Italien aufgewachsen, in einem kleinen Ort, einem kleinen Dorf in den Bergen zwischen Steinen und Zwergen und nur ein paar Nachbarn. Vor zehn Jahren habe ich die Waldorfschule in Italien besucht, bis zur achten Klasse, und dann ist mein Background in eine vielleicht große Krise in der Oberstufe gegangen. Da habe ich bemerkt, dass etwas ganz tief in meinem Leben enden sollte. Ich bin in einem Hof gelandet, in einem biodynamischen Hof, wo ich angefangen habe, ein bisschen mitzuarbeiten, und dann habe ich entdeckt, da war so eine kleine anthroposophische Gesellschaft für die Waldorfpädagogik, und ich bin Mitglied geworden, und da habe ich sehr lustige und wertvolle Erfahrungen mit den Kindern gemacht.
Da war echt meine Grundausbildung in Italien. Wir haben nicht diese Ausbildungsformel, wie sie hier in Deutschland ist, aber für mich war es meine Ausbildung. Ich habe dort alles gelernt, wie man die Hand in die Erde macht, wie man pflanzt, wie man erntet, wie man kocht, wie man jeden Tag zu den anderen Menschen sagen sollte. Das war echt eine Lebensschule für mich, und ich bin unendlich dankbar an die Leute, die mich unterstützt und mir in diesem Prozess geholfen haben und in meiner Bildung etwas Neues gestaltet haben als die tiefe Krise, wo ich angefangen habe. Und da habe ich zum ersten Mal genau die biologisch-dynamische Landwirtschaft kennengelernt. Ein Hof wie ein Organismus. Eine biodynamische Landwirtschaft ist für mich so ein Beziehungsgestalter, ist ein Ort, wo Menschen, Pflanzen, Tiere, Steine, Oben, Unten, alles in Verbindung ist, in Beziehung, und an diesem Ort will ich mich weiter üben, weiter arbeiten und entwickeln, ich hoffe.
Der Weg nach Deutschland: Hofpente und der Dottenfelderhof 00:03:04
Vielleicht kann ich ein bisschen erklären, warum ich hierher nach Deutschland gekommen bin und warum ich diese komische Sprache spreche. Meine Muttersprache ist Italienisch, und es war nicht die Aufgabe meines Lebens, Deutsch zu lernen, aber ich wollte weiter im anthroposophischen Umfeld studieren, und in Italien sind viele Studien nicht anerkannt, und bei mir, aber für meine ganze Generation, ist es auch wichtig, ein anerkanntes Studium zu haben, weil das die Möglichkeit gibt, etwas Offizielles auch in die Welt mitzubringen.
Und dann bin ich von Italien nach Osnabrück mit der Bahn gefahren, vor zweieinhalb Jahren, und ich habe Julia und Tobias und Timo und Lena von Hofpente kennengelernt, und ich war da Gast vor einem Jahr. Und in Hofpente habe ich dort wieder wahrgenommen, wie ein Organismus ist, mit den ganzen Organen, die bestimmte Fähigkeiten haben, bestimmte Aufgaben, aber doch in Beziehung miteinander sind, wie die Menschen sich verbinden zwischen Verantwortung und Interesse und Liebe. Hofpente war für mich eine sehr gute Übung, soziale Übung, Arbeitsübung. Auch für mich selber, zum ersten Mal so lange in meinem Leben alleine in einem anderen Land zu sein, war eine sehr tiefe Übung, und ich bin auch an Hofpente sehr dankbar, weil sie mit ganzen vielen Kräften und Streben versuchen, einen wunderschönen Hof mit einer Solawi weiterzubringen, wo auch die Schule, die dort ist, einen sehr wertvollen und lebendigen Impuls in die Landwirtschaftsgemeinschaft und an die Erde, die da ist, bringt.
Aber in Hofpente bin ich wieder irgendwie in die Arbeit runtergerutscht, und ich sollte mich fokussieren, ein Studium zu finden, und deswegen bin ich am Dottenfelderhof gelandet, um die Landbauschule in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft zu besuchen. Und jetzt ist mein Jahr hier fertig, mit viel Erfolg und auch, genau, Fröhlichkeit, für was ich in 220 Hektar Klassenzimmer dieses Jahr lernen konnte. Ich bin sehr dankbar an Martin von Mackensen, der dieses Jahr geleitet hat, und er hat mich und meine Klassenkameraden mit unglaublicher Kraft und Geduld jeden Tag in diese größeren Klassenzimmer sozusagen geguidet, also rausgebracht, mitgeleitet, weitergeführt, viele Fragen gestellt und viele Beobachtungen, viele Wahrnehmungen. Ich glaube, dass ich nicht so in 60 Sekunden oder in 10 Minuten einfach erfassen oder zusammenfassen kann, was dieses Jahr ist. Vielleicht wird es einen Wert für mein ganzes Leben geben und wird langsam, so wie die Düngung am Boden, sich langsam verdünnen und für mich verfügbar sein.
Goethes pädagogische Provinz und die Ehrfurcht 00:07:14
Aber warum ich hier bin, ist auch ein Prozess. Ich habe, seit ich hier in Deutschland bin, angefangen, ein bisschen was zu lesen, und ich habe mich ein bisschen mit dem Wilhelm Meister von Goethe beschäftigt, und er beschreibt in den Wanderjahren diese pädagogische Provinz, so diesen Ort, wo die Menschen eine Ehrfurcht haben für das, was oben ist, also für den Himmel, das Göttliche, das Geistige. Es ist ein Ort, wo die Menschen diese Ehrfurcht haben oder erfahren oder erleben können für das, was unten ist, die Erde, die Pflanzen, die Steine, die Tiere, die ganzen Lebewesen. Und so in einer Provinz, wo die Menschen eine Ehrfurcht erleben können für das, was gleich ist, was neben uns ist, die anderen Menschen. Und ein Ort, wo man auch erleben kann, wie eine Ehrfurcht für sich selber in die innere Richtung entwickelt wird.
Und diese Worte, Ehrfurcht, das auf Italienisch fast unübersetzbar ist, weil es verschiedene Worte gibt, die die gleichen Konzepte schenken können, hat mich sehr inspiriert. Ich habe diese Worte dieses Jahr zum ersten Mal auf Deutsch gelesen, aber vorher hatte ich sie gehört, als ich Mitglied in diesem Hof in Italien war. Und jetzt klingen sie ganz anders.
Ich habe mit 16 Jahren angefangen, in der Landwirtschaft zu arbeiten, ein bisschen, oder zu lernen, wie das geht. Und jetzt, nach mehr als zehn Jahren, dass ich irgendwie ein bisschen in diesem Bereich tätig bin: Dieser Begriff, Ehrfurcht, dieser Begriff ist irgendwie so groß und hoch, dass ich nicht ganz genau weiß, wie ich das lernen oder erfahren kann. Ich glaube, das ist ein innerlicher und äußerlicher Weg. Ich muss das üben, mit meinen Händen, mit meinen Füßen, mit meiner Erfahrung, mit der Tätigkeit, wo ich aktiv sein werde.
Das Klassenzimmer ist die Welt 00:10:20
Und ich denke mal, wie schön könnte es sein, wie ich in Italien beobachtet habe oder hier in Deutschland, dass die Kinder in so einem lebendigen, respektvollen, tätigen, gehandelten Ort wachsen können. Und das ist der Kern, warum ich hier bin. Ich will mich erst einmal selber weiter üben und tätig sein in diese Richtung. Aber dann würde ich auch andere Menschen kennenlernen, die vielleicht so auch eine Idee gehört oder selber entwickelt haben, wie ein Hoforganismus doch noch offener sein kann zu anderen Menschen und zur Entwicklung von anderen Menschen und auch kleineren Menschen.
Ich habe dieses Jahr hier im Dottenfelderhof gelernt, dass dieses ganze Umfeld, das hier ist, mein Klassenzimmer ist. Ich habe in diesem echten Leben etwas gelernt. Und ich denke mal, wir lernen heute, unsere Kinder sind sehr oft im geschlossenen Zimmer. Von zu Hause in das Auto, von dem Auto in die Schule und dann von der Schule wieder in das Auto oder in den Bus oder in die Bahn und wieder nach Hause. Das ist nicht so 100 Prozent der Zeit, aber es ist viel, viel, viel Zeit, wo wir jetzt in unserer Gesellschaft die Kinder immer mehr in einen geschlossenen Ort gepackt haben. Vielleicht klingt das nicht so gut, aber die Metaphora ist für alle verständlich. Und was ich mir wünsche, ist, dass auch andere Kinder und andere Erwachsene und andere Jugendliche und andere alte Menschen wieder in Beziehung mit der Welt hineingehen und das persönlich erleben. Nicht nur wie eine Information mit dem Kopf mitbringen.
Und durch die Arbeitserfahrung, die ich in Italien und letztes Jahr in Deutschland gemacht habe, bin ich jetzt immer mehr sicher, dass ein Hof, ein Bauernhof, ein Hoforganismus das Beste ist, was heute unser Planet anbieten kann für solche Sachen, um wieder in ein Handeln zu gehen. Von dem, was wir machen, das könnte sinnvoll sein, nicht nur für uns, sondern auch von dem, was uns irgendwie da oben unterstützt, von dem, was unter unseren Füßen ist, und von dem, wer neben uns ist.
Ausblick, Mut und Verantwortung 00:14:06
Und mit diesem Beispiel, mit diesem Bild will ich mich weiter ausbilden oder studieren. Ich gehe jetzt, am Montag fängt der Unterricht für das Waldorfpädagogik-Seminar an. Und ich hoffe, dass ich durch dieses Üben, durch diesen strebenden Impuls, der mich selber hierher getragen hat, in der Zukunft etwas Schönes machen kann. Für die Welt und für die Orte, die mich anrufen werden, da zu bleiben und zu leben und zu arbeiten.
Ich würde vielleicht meinen jüngeren Kollegen empfehlen, die denken, wie kann ich das machen, es sieht alles so wie ein Traum aus: Einfach machen, verschiedene Wege untersuchen und dann sich für einen entscheiden und mit Determination weitergehen, weil solche Orte existieren, wie ich in den letzten Jahren gesehen habe. Und jetzt müssen wir uns einfach mit Mut selber weiterbilden und dann in die Verantwortung hineingehen, weil das dazugehört. Ohne Verantwortung gibt es keine Landwirtschaft, gibt es keine Gesellschaft, vielleicht keine Erde. Und wir wollen, oder ich will für die andere Option arbeiten: mehr Beziehungen aufbauen, mehr miteinander zu tun haben, mehr mit der Welt zu tun haben, mehr Verantwortung für diese Welt ein bisschen auf meiner Schulter zu tragen.
Und ich merke, wie jeder Schritt, den ich mache, weitergeht. Also jetzt, dass ich fertig bin mit der Landbauschule, mit der Projektarbeit und so, und ich muss noch einen neuen Anfang in meinem Leben haben, oder dafür habe ich mich entschieden. Ich fühle mich manchmal noch mehr unsicher, habe noch mehr viele Fragen. Ich spüre jedes Mal, wenn ich neue Menschen kenne, wie viel ich unbereit bin, mit den anderen Menschen zu sein. Ich muss mich immer üben und festhalten und wieder versuchen, in eine Balance, in eine Harmonisierung zu bringen. Und es ist so schwer. Es kommt nicht natürlich, diese Harmonisierung. Ich versuche mein Bestes, und ich hoffe, dass andere Jugendkollegen das weiter verfolgen können.
Und vielleicht würde ich zu ein paar Kollegen, Bauern oder Gärtnern, sagen: Macht euren Bauernhof offen für die Schule, für die Kinder, für die alten Menschen, für die Therapie, für – whatever kann rauskommen, das mit Phantasie neues Leben in euren Hof bringt. Von innen und von außen. Und ich würde vielleicht meinen zukünftigen Kollegen Lehrern und Waldorflehrern empfehlen: Bringt eure Klasse so viel wie möglich auch draußen in die echte Welt. Weil das, was ihr in den Klassenzimmern erzählt, ist so wertvoll und so wichtig, aber es braucht eine Spiegelung in die Welt. Und dann können wir eine Zukunft unterstützen, wo die Kinder selber verantwortlich für sich selber sein können, wenn sie Erwachsene sind, wo sie freie Menschen werden und selber entscheiden können, was sinnvoll ist, weiter zu verfolgen, und was nicht.
Und genau, ich bin sehr dankbar für diese Chance, dass ich mit euch irgendwie telematisch geredet und meine Geschichte mitgeteilt habe. Und wir sehen uns. Vielen, vielen Dank auch an François für die Arbeit, die er macht, für die ganze Anthroposophie und die biodynamische Landwirtschaft. Und genau
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