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Das Denken in Polaritäten ist ein Schlüssel zum Verständnis der Evolution. Es konstituiert förmlich die Art der Naturbetrachtung Goethes; exemplarisch führt er es in seiner «Metamorphose der Pflanzen» aus.[1] Als Augenmensch hat Goethe in seiner Forschung an das angeknüpft, was von der Pflanze als oberirdische Gestalt sichtbar ist, ihre unterirdische, die Wurzel, blieb außer Sicht. Bezieht man Letztere ein – man muss in einem Abstraktionsvorgang das Unsichtbare sichtbar machen, indem man die Wurzel aus der Erde freilegt –, wird die Polarität Wurzel-Blüte anschaubar. Das Ureine der Pflanze ist im Irdischen in zwei Pole gespalten. Was sie merkurial verbindet, ist die mit dem Stängel emporgetragene Blattfolge. Das Blatt versinnlicht die Mitte zwischen den Polen. In Steigerung dieser Dreiheit erscheint die Gestalt der Pflanze als eine Ganzheit, die in der Blüte am reinsten zum Bild ihres Wesens wird.

  1. Johann Wolfgang von Goethe: Die Metamorphose der Pflanzen, in: Goethes Werke. Naturwissenschaftliche Schriften, hrsg. v. Rudolf Steiner, Band 1, in: Kürschners Deutsche National-Litteratur, Berlin und Stuttgart 1887 (Reprint Dornach 1975).