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der Selbständigkeit zu erziehen. In dem Maße er das erstrebt, zu dem er vorbestimmt ist, tritt er aus seiner leiblichen Gebundenheit und zugleich aus der Sinnesgebundenheit an das naturhafte Sein Schritt um Schritt heraus. Er erhebt sich über die Natur und wurzelt zugleich in ihr. Muss er sich da nicht aufgerufen fühlen, dem natürlichen Sein der Erde etwas zu schenken, was diese aus sich heraus nicht haben kann, was sie auf ewig entbehren müsste? Gewiss, jede Art von liebegetragener Zuwendung ist hier gefragt. Aber kann sich diese nur auf den bloßen Schutz, auf die Erhaltung des Bestehenden beschränken oder muss der zum Werk gewordenen Erde und mit ihr dem Kosmos ein neues Evolutionsprinzip eingepflanzt werden im Sinne einer «Schöpfung aus dem Nichts», die durch keine äußere Notwendigkeit verursacht wird, sondern die als freie Tat dem Geistig-Seelischen des Menschen entspringt?[1] In Beantwortung dieser Frage, so darf man annehmen, hat Rudolf Steiner aus der Erkenntnis des Zeitenstromes aus der Zukunft die biologisch-dynamischen Präparate konzipiert, gleichsam als «Dünger» für den Zeitenstrom aus der Vergangenheit, der zum Kunstwerk der Schöpfung geworden ist. Es mag dies zu groß gedacht sein. Allein, wer in Herzenserkenntnis den praktischen Umgang mit den Präparaten pflegt, kann im tieferen Empfinden eine Urteilssicherheit darin gewinnen, dass deren Handhabe einen allerersten Anfang in der angedeuteten Richtung markiert. Ihre Herstellungsweise folgt streng dem Prinzip der Dreiheit – doch auf neue Art; sie gliedert sich nicht entsprechend der gegebenen Ureinheit, sondern sie baut sich aus den Produkten vergangener Evolutionslinien auf. Diese Produkte, das Physische-Mineralische (Kiesel) der Erde, das Belebte aus dem Pflanzenreich (Blüten) und das Beseelte aus dem Tierreich (Organe) bilden die Pole einer Polarität, die nicht naturgegeben ist. Dasjenige, was diese Endprodukte der Evolution aufeinander bezieht und damit eine neue Polarität entstehen lässt und was diese steigert zur Synthese einer neuen Dreiheit, ist der ideengeführte Wille des Menschen. Idee und Wille sind Bildner einer neuen Mitte (siehe Abbildungen 23, 24, 25), neuer Stoffkompositionen, die Träger sind von Kräften physischer, ätherisch-lebendiger, astralisch-beseelter und geistiger Art. Auf dem Weg der Geistesforschung ist ein Geistesgut, sind Ideen in die Herzen und Hände der Menschen gelegt, die in Verwandlung das «Werk» der Stoffanordnung durch den «Christus» in freier Tat fortführen können. Die neuen Stoffanordnungen der Präparate sind Erfindungen der Geistesforschung aus der Übernatur, wie die Ammoniaksynthese ein Ergebnis der Erforschung der

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, GA 107, Dornach 1988, Vortrag «Evolution, Involution und Schöpfung aus dem Nichts», 17. Juni 1909.