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Die Eiche, ihre Rinde und Borke
Unter den Präparatepflanzen ist die Eiche, die Stieleiche (Quercus robur), die für unsere Breiten repräsentativste verholzende Dauerpflanze. Von ihr wird die Rinde bzw. Borke zur Präparation verwendet. Dies nimmt umso mehr wunder, als bei allen anderen Präparatepflanzen die Blütenköpfchen – oder, wie bei der Brennnessel, wegen seiner Blütenhaftigkeit der ganze Spross – zur Präparation Verwendung findet. Die Blüte der Eiche ist einhäusig und ist noch unscheinbarer als die der Brennnessel. Nur in der Form ihrer Blätter und ihrem in einem Becher sitzenden Fruchtkörper, der Eichel, offenbart sich unverkennbar der Typus dieses Baumes. Will man in bildhafter Anschauung der Einzigartigkeit der Baumnatur der Eiche näherkommen, muss man den Blick auf das langsame, allmähliche Werden ihrer mächtigen, sich selbst behauptenden stämmig-knorrigen Gestalt wenden und, auf diesem Hintergrund, auf den Substanzprozess, der sich einerseits in der Rinden-Borkenbildung manifestiert, andererseits in dem harten widerstandsfähigen Kernholz. Dieser Substanzprozess geht von der belebten Kambiumzone nach innen und nach außen aus und nähert sich jeweils, als Endprodukt pflanzlichen Werdens, wieder dem Mineralischen an. Die Geistesforschung weist dabei auf die Bedeutung des Kalziumprozesses in der Eichenrinde hin und darauf, wie dieser die Pflanzen gesund hält: Er «schafft Ordnung, wenn der Ätherleib zu stark wirkt».[1] In der Lebenszone, dem Bast der Rinde, bildet sich neben Gerbsäuren und anderen aromatischen Stoffen in einzelnen Zellen eine organische Kalziumverbindung, das Kalziumoxalat, das in den Zellvakuolen kristallisiert und in der Borke sich zu Kristalldrusen ausformt und, da es schwer in Wasser löslich ist, sich dort lange erhält.
- ↑ Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, GA 327, Vortrag vom 13. Juni 1924, Dornach 1999, S. 134.






