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Schon während der vorausgehenden Jahrzehnte hatte das Zentrum, die Kirche, mehr und mehr ihre geistig-moralische sowie soziale Führungsrolle eingebüßt, zugunsten des Erwachens zur individuellen Selbstbestimmung. Einhergehend mit der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts war es diese Tatsache, welche die letzte große Abwanderungswelle auslöste. Waren noch um 1800 62% der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, um 1875 49%, um 1950 25%, so sind es heute nur noch 2%.[1] An die Stelle des Bauern trat der Agrotechniker, dessen Orientierungspunkt nicht mehr im Zentrum des Dorfes liegt, sondern peripher in den Bildungszentren der Stadt, in den agrartechnologischen Innovationen und in den überregionalen Märkten. In dem global vernetzten Agrarindustrialismus baut sich um die Landwirtschaft herum ein mächtiger Wall auf, ein Intelligenzapparat eines in Fachgebiete zersplitterten Detailwissens. Der Landwirt wird zum «Exekutivorgan» einer ihn fremd bestimmenden Intelligenz. Im Zuge dieser schleichenden geistigen Entmündigung hat sich nach und nach der Gartenbau als Erster aus den Dorf- und Einzelhofgemarkungen herausgelöst und sich auf Monokulturen unter Glas spezialisiert, ein erster Schritt der Zerstückelung der organismischen Ganzheit. Auch im Ackerbau hat sich, in den USA schon sehr früh, der Getreidebau verselbständigt, gefolgt von Bodenabtrag durch Wind- und Wassererosion. Heute beherrscht weltweit flächendeckend ein eintöniges Muster an Monokulturen das Landschaftsbild. In Mitteleuropa hat sich dieser zweite Schritt der Zerstückelung der Ganzheit nach einigem Beharrungsvermögen erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts vollzogen. Schließlich, in einem dritten Schritt der Zerstückelung, verlor auch der Obstbau seine Organfunktion im landwirtschaftlichen Organismus. In den 70er-Jahren wurden Prämien für die Rodung von Hochstammkulturen gezahlt; heute wird ihr ökologischer Wert wieder geschätzt. Die Produktion allerdings konzentriert sich auf Intensivanlagen in Monokultur in klimatisch bevorzugten Gebieten. Zuletzt, in einem vierten Schritt der Zerstückelung, wurde auch die an die betriebliche Futtergrundlage gebundene Haustierhaltung aufgegeben, mit der Folge einerseits der Entstehung viehloser Betriebe und andererseits der Konzen-tration auf Massentierhaltung. An die Stelle des Begriffes «Haustier» trat der Begriff «Nutztier». Es begann mit dem Geflügel in ganzjähriger Stall- bzw. Käfighaltung, gefolgt von der Schweinehaltung, konzentriert in Großmästereien, und schließlich – wer

  1. Laut Auskunft der Gesellschaft für Agrargeschichte e.V. Ffm.