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Man kann von einem wahren Herdenorganismus erst sprechen, wenn die Herde über Generationen hinweg sich aus eigener Nachzucht selbst ergänzt und sich mit den Standortverhältnissen bis hin zur betriebseigenen Futterversorgung verbunden hat. Für die Deckbullen gilt ein Sonderstatus: Sie werden zwecks Blutauffrischung der Herde in regelmäßigen Abständen durch Vatertiere aus gleichgearteten Zuchtbetrieben ersetzt. Der Herdenorganismus ist der Summe der Einzeltiere übergeordnet. Das kommt u.a. in der Gleichzeitigkeit der tagesrhythmischen Verhaltensweisen der Tiere zum Ausdruck. Morgens folgen sie in gleichsam hierarchischer Ordnung der Leitkuh auf die Weide. Dort verteilen sie sich, laufen aber nicht durcheinander; sie ziehen grasend in eine Richtung, nehmen sieben bis acht Stunden am Tag Futter auf, unterbrochen von gemeinsamen Wiederkauphasen, die ebenfalls circa acht Stunden am Tag in Anspruch nehmen. Auch der Gang zur Tränke, die Ruhepausen und die Milchabgabe unterliegen einem strengen, die ganze Herde beherrschenden Rhythmus. Alle Maßnahmen der Haltung, Fütterung, Pflege und der Zucht sollten im Dienst der Kräftigung dieses herdenrhythmischen Geschehens stehen. Je ausgebildeter dieses ist, desto gesünder die Herde.






