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Die überragende Frage, der sich in der Gegenwart jeder strebende Mensch gegenübergestellt sieht, ist nicht allein die nach der Erscheinung, das heißt der Formseite der Dinge, sondern die nach dem Agens, das diese Form schafft. Die Form nehmen wir mit den Sinnen wahr, die leibgebunden sind, das Wesen mit Seelenorganen, die wir erst auf den Weg individueller Geistesschulung in dem Teil der Seele ausbilden können, die sich frei aus der Leibgebundenheit heraushebt.[1] Aus der anthroposophischen Geistesforschung liegen Forschungsergebnisse vor, die durch ein leibfreies Erkennen auf der Grundlage solcher ausgebildeten höheren Seelenorgane von dem Geistesforscher gewonnen und von dem denkenden Bewusstsein jedes Menschen erfasst werden können. Die wesenhafte Tatsächlichkeit der Ergebnisse anthroposophischer Geistesforschung erschließt sich dem gewöhnlichen Bewusstsein einerseits durch die Logik – im unbefangenen Denken der geisteswissenschaftlichen Ergebnisse stützen sie sich gegenseitig und vereinen sich zu geistrealen Bildgedanken – andererseits durch die Tathandlung – sie erweisen ihre Fruchtbarkeit im täglichen Tun. Beide Erkenntniswege, vertieft durch ein Drittes, die persönliche Geistesschulung, ergänzen sich und verhelfen der Seele zu einer Geistesgewissheit im Ich hinsichtlich dessen, was der Geistesforscher über die Wesenswelt schildert, die da schafft, bildet und gestaltet. Die anthroposophische Geistesforschung eröffnet der menschlichen Vernunft ein vertieftes Verstehen des Begriffes der Ganzheit. Der Mensch lernt sich als Mikrokosmos verstehen, der alles enthält, was makrokosmisch das Universum erfüllt. In Selbsterkenntnis und unterstützt durch die Ergebnisse der Geistesforschung kann er die Fähigkeit erlangen, seine Geistverwandtschaft mit den Dingen und Wesen der Erde und des Kosmos zu entdecken. Die Natur erscheint ihm nicht mehr als eine Summe von Einzeltatsachen, die beliebig manipulierbar und, in Negation eigener Wertigkeit, gegeneinander austauschbar sind, wie das die Methoden des Agrarindustrialismus kennzeichnet.

  1. Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10, Dornach 1992.