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Der Studienkreis zu Inhalten anthroposophischer Geistesforschung

In der Praxis tauchen die Ideen des gemeinsamen Strebenszieles in die Lebenswirklichkeit des Hoforganismus ein. So aufbauend und Lebenszusammenhänge schaffend diese Ideen sind, so sehr muss man sich alsbald eingestehen, dass man sich in manchen Erwartungen enttäuscht sieht. Es will nicht gelingen, man stößt an Grenzen und wird auf sich selbst zurückgewiesen. Das Ideal wird erschüttert, man erlebt es wie ein Absterben, einen partiellen Seelentod. Man will diesen nicht wahrhaben und sucht nach äußeren Gründen, z.B. Witterungsunbilden, eigene oder fremde Unfähigkeiten, Fehlentscheidungen oder Fehlleistungen, Missverständnissen, sozialen Zerwürfnissen etc. Doch, wie das Leben, zeigt sich eben auch das Absterben, der Tod, in verhüllter Gestalt. Wie soll erkannt werden, was das Scheitern uns sagen will? Aus dieser Ungewissheit folgen leidvolle Erfahrungen, Prüfungen für den Einzelnen und die Gemeinschaft. Stellt man sich diesen Erfahrungen, erwacht die Selbsterkenntnis und mit ihr aus Seelentiefen eine unausgesprochene Frage, und unerwartet und unversehens kommt plötzlich die Antwort von außen. Dieser Gelegenheit, unerwartet zu neuen, ermutigenden Einsichten zu kommen, dienen die wöchentlichen Zusammenkünfte gemeinsamer geisteswissenschaftlicher Erkenntnisarbeit. Im Gespräch können da ungefragt und unerwartet Gedanken geäußert werden, die auf die still im Inneren gehegte, bedrängende Frage eine versöhnende Antwort geben und zu einer neuen Sicht der Dinge führen sowie zu neuen Anstrengungen aufrufen können. Es vollzieht sich das «Erwachen des Menschen am Geistig-Seelischen des anderen Menschen».[1] Die gemeinsame anthroposophische Studienarbeit wirkt geisterfrischend, erhebt und weitet das Motiv aus seiner subjektiven Enge und erweckt Kräfte, die in der Praxis zu immer neuem Schwung verhelfen.

  1. Rudolf Steiner: Anthroposophische Gemeinschaftsbildung, GA 257, Vortrag vom 27. Februar 1923, Dornach 1989, S. 116.