Hof als Organismus - 2. Folge von Manfred Klett, 2018

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+++ es handelt sich um eine maschinelle Rohtranskription, eine Überarbeitung von Hand, Herz und Geist ist noch erforderlich. Gerne kannst du MitTun +++

Transkription von Hof als Organismus - 2. Folge von Manfred Klett vom 9. Januar 2018

Dr. Manfred Klett am 9. Januar 2018 in der Landbauschule Dottenfelderhof. Hier klicken um zum Video zu gelangen

Rückblick: Polarität von Industrie und Landwirtschaft 00:00:40

Einen schönen guten Morgen! Wir haben uns ja gestern an ein Thema gewagt, was so ein bisschen außerhalb des Bewusstseins heute liegt: Dass es nämlich eben diese ganz eindeutige Polarität gibt zwischen Industrie und Landwirtschaft. Dass es nicht einfach nur ein Gegensatz ist – Gegensatz würde bedeuten, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat –, sondern es ist eine Polarität, und das bedeutet, dass es ein Beziehungsverhältnis ist zwischen diesen beiden Polen von Industrie und Landwirtschaft.

Und das Wichtige ist heute, gerade auch für Sie, die jetzt da in die Landwirtschaft hereinwachsen, dass man sich das wirklich deutlich macht: Dass das, was ich hier jetzt an die Tafel gemalt habe, das existiert in keinem Lehrbuch heute, nirgends. Und das liegt so auf der Hand – ich möchte mal sagen, mit dem ganz normalen Denken kann man das wirklich nachvollziehen –, aber man kann es auch noch lange nicht gewichten. Man hat ja viele Gedanken heute, aber wenn man Gedanken hat, dann muss man sie auch gewichten können, bewerten können, welches geistige Gewicht hat ein Gedanke. Und dieses geistige Gewicht kann man nur erspüren, wenn man das selbstständig denkt und dann wirklich die inneren logischen Zusammenhänge so erkennt, dass man eines Tages sagt: Ja, das ist eigentlich, wozu ich beitragen muss in meinem Leben, dass das allmählich auch werden kann.

Denn das, was ich da versucht habe auseinanderzusetzen, existiert so nicht. Es existiert immer, homöopathisch, irgendwo da oder dort. Menschen streben dahin, und wenn man die letzten 30, 40 Jahre des geschichtlichen Verlaufes ansieht, merkt man, dass das immer mehr in diese Richtung geht – im Bewusstsein der Menschen, im ökologischen Bewusstsein. Da fängt man an, doch zart zwar und noch nicht wirklich durchgreifend, das auch leichter zu begreifen, als es noch vor 40, 50 Jahren der Fall war. Aber wir stehen völlig am Anfang, oder vor dem Anfang noch, in gewissem Sinne sogar.

Organismus als Gegenpol zum Mechanismus: Ergänzungen und Klärungen 00:03:22

Also diese Polarität – und jetzt möchte ich nochmal kurz die Sache abschließen und beenden, aber doch nochmal darauf hinweisen: Alles, was hier geschieht, läuft polar zu demjenigen. Wenn hier der Mechanismus das eigentliche Produktionsmittel ist, die Maschine, die etwas erzeugt, so ist es hier der Organismus. Und man kann natürlich, wenn ich das so sage, über Organismus noch gar nicht viel verstehen, was es überhaupt ist. Aber der Organismus ist in jedem Fall ein lebendiger Beziehungszusammenhang – also etwas, was jedes Tier hat, der Mensch hat einen leiblichen Organismus, und so hat auch ein landwirtschaftlicher Betrieb eben einen Organismus.

Und die eigentlich produktiven Faktoren sind eben Boden, Pflanzen und Tiere – hinter denen natürlich auch wieder Welten stehen. Denn keine Pflanze wächst ohne die Strahlen der Sonne, auch der Mond hat eine große Rolle, die Planeten insgesamt, der Fixsternhimmel insgesamt, da steht natürlich alles hinter Boden, Pflanzen und Tieren. Aber was wirklich effektiv produktiv ist, das ist diese Dreiheit – die wird aber nur produktiv in ihrem Beziehungszusammenhang. Dass das Tier ein Organ ist im Organismus der Landwirtschaft – die Rinder, die Schweine, die Hühner, was das auch sein mag. Heute werden die als Nutztiere angeschaut, das ist ein verrückter Begriff, ein vollkommen absurder Begriff, aus dem Materialismus geboren. Nutztier! Sondern das sind Haustiere, aber Organe im Organismus der Landwirtschaft. Und so alles: die Kulturpflanzen, die Leguminosen anders als die Getreide, als die Hackfrüchte und so weiter, und der Boden selber, der eben gewissermaßen die Grundlage für alles darstellt.

Und wir haben ja nun mal angeschaut und gesehen, dass das Kapital auf dieser Seite – geronnener menschlicher Geist – diesen ganzen Prozess hier steuert, alles steuert. Ohne Kapital würde es ja überhaupt nicht funktionieren, deswegen spricht man heute auch vom Kapitalismus. Während hier das Kapital im Grunde genommen gar nichts zu suchen hat. Man soll sich das verstehen: Die Landwirtschaft kann ja über Kapital überhaupt nicht arbeiten, vom Gesichtspunkt des reinen Produktionsmittels her. Wir brauchen im Gotts Namen das Kapital, indem wir uns hier gewisse Betriebsmittel, die vertretbar sind – zum Beispiel Kalk, wenn der Boden versaut ist, dann muss ich Kalk zukaufen, selbstverständlich, oder ich brauche Maschinen –, also ein gewisses Maß an Kapital, ohne das komme ich heute gar nicht aus. Aber dieses Kapital ist nicht produktiv in dem Sinne, also produzierend wie hier. Sondern das Kapital – also was hier an der Stelle des Kapitals steht, das ist die Natur. Die Natur produziert, muss man ganz deutlich machen. Und zwar der Geist in der Natur – das, was in der Natur werteschaffend wirkt. So wie der Mensch Werte schafft aus seiner Ideenwelt, aus seinem Geist heraus, so schafft die Natur aus der in ihr wohnenden Geistigkeit einen Zusammenhang, der Werte bildet, Nahrungswerte bildet und so weiter.

Die besondere Qualität des landwirtschaftlichen Produktes 00:07:17

Und dann haben wir also hingeschaut, wie dieser Organismus jetzt als ganzer produktiv wird und bestimmte Produkte liefert. Da muss ich noch eine Ergänzung zu gestern sagen, was eben sehr wichtig ist – wir hatten keine Zeit mehr gestern.

Dieses Produkt hier, was hier entsteht, das ist ja aus dem Leben heraus entwickelt, entstanden – aus dem Leben der Pflanzen, dem Leben der Tiere. Diese Produkte sind zum Teil auch aus der beseelten Natur des Tieres entstanden, haben also eine vollkommen andere Qualität als irgendein Industrieprodukt. Ein Industrieprodukt ist tot. Es ist einfach tote Materie, die ich da verwandelt habe in ein Auto oder ein Flugzeug oder so. Aber von Natur aus gehört es der mineralisch toten Natur an und wird ausschließlich beherrscht von den physisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten. Während hier ganz andere Gesetzmäßigkeiten hereinwirken, um ein solches Produkt zu erzeugen.

Und die Eigenart dieses Produktes der Landwirtschaft hebt sie eigentlich erst so richtig aus dem industriellen Produktionsprozess heraus: Indem nämlich das Produktionsmittel sich im Produktionsprozess selber erzeugt. Die Milch entsteht, sagte ich ja schon – wenn die Kuh ein Kalb bringt, und mit dem Kalb reproduziert sich die Kuh, aber dann entsteht ein Überschuss an Milch, weit mehr als das Kalb jetzt braucht für seine eigene Entwicklung, und dieses Mehr an Milch, das ist dann ein Produkt, was dann zum Markte getragen werden kann, da kann man einen Käse draus machen oder ein anderes Milchprodukt.

Also das ist die Eigenart des landwirtschaftlichen Produktionsprozesses: Dass eigentlich das Produktionsmittel sich im Produktionsprozess selber erzeugt, selber wiederherstellt. Die Maschine, wenn sie kaputt ist, muss ich reparieren entweder oder auf den Schrotthaufen schmeißen und eine neue kaufen – daher auch die Abschreibungen. Während hier diese Produktionsmittel, die das Produkt erzeugen, sich im Produktionsprozess selbst regenerieren.

Genauso der Weizen, sagte ich ja schon das Beispiel: Das Weizenkorn bildet sich da oben in der Ähre – das ist ein ganz komplizierter Prozess, dass das alles so wird, dass ein Weizenkorn entstehen kann. Und dann kann ich mich entscheiden: Entweder ich mahle das Korn und backe ein Brot draus, dann wird es eine Ware, die kann ich auch verkaufen, oder aber ich nehme das Korn und tue es wieder in den Boden, und dann kommt wieder eine Pflanze hochgewachsen im nächsten Jahr.

Das ist das Allentscheidende des Unterschiedes von Industrie und Landwirtschaft: Dass hier die Produkte sich selbst nicht erzeugen können in der Industrie, sondern da werden sie Müll und ich muss sie immer wieder neu aus dem menschlichen Geist, aus seinem Ideenvermögen immer wieder neu herstellen, und dazu brauche ich hier Abschreibungen. Während in der Landwirtschaft erzeugt sich wirklich das Produktionsmittel selbst, indem es produziert.

Das ist eine unglaubliche Sache – so ein einfacher Gedanke, den muss man nur mal gedacht haben. Der wird heute gar nicht gedacht, das ist geradezu verrückt. Wir haben die tollsten Wirtschaftswissenschaften, da werden jedes Jahr so und so viele Nobelpreise in die Welt verstreut, und keiner denkt so einen Gedanken.

Keine Abschreibung in der Landwirtschaft: Subventionen als Symptom 00:11:59

Also sehen Sie, das muss man sich mal ganz klar machen: Dass das, was hier als Produkt entsteht, in sich das Potenzial hat, sich selbst wieder zu erzeugen, indem es wieder auskeimt, der Pflanzensamen, oder aber das Brotgetreide zur Ware wird. Und infolgedessen – und das möchte ich noch mal ganz besonders betonen –: Gibt es in der Landwirtschaft in diesem Sinne keine Abschreibung.

Das ist auch verrückt, wenn man sowas sagt, weil wir heute in der Landwirtschaft, in unseren Buchführungen selbstverständlich abschreiben müssen. Aber was schreiben wir eigentlich ab? Wir schreiben den Input ab: Die Maschinen, die wir einkaufen, die müssen wir abschreiben, die müssen ja wieder refinanziert werden. Alles was wir sozusagen von außen zukaufen, das ist abschreibungswürdig und muss abgeschrieben werden. Aber das führt auch zu einem ungeheuren wirtschaftlichen Druck auf die landwirtschaftlichen Höfe, weil wir alles das, was wir zukaufen müssen, ja irgendwie wieder refinanzieren müssen. Und dazu reichen eigentlich die Mittel des Hofes nicht – und deswegen haben wir heute die Subventionen.

Die Subventionen, die heute in die Landwirtschaft fließen, sind eigentlich dazu da, dass man versucht, einen großen Deckel darauf zu machen, dass das ja niemand mal durchschaut, und sozusagen den Bauern zu verhelfen, dass er überhaupt seine Abschreibungen tätigen kann. Und dann kann er auch wieder neue Maschinen kaufen, und das kurbelt wieder diesen anderen Pol an – und damit schließen sich wieder die Steuern.

Deswegen sind auch Brüssel oder überhaupt die Agrarpolitiker sehr interessiert daran, dass die Bauern möglichst viel Abschreibungskosten haben, denn die kurbeln wiederum den anderen Pol an. Das ist eigentlich eine ganz faule Sache im Grunde genommen. Die Subventionen sind das große Übel der Landwirtschaft im Grunde genommen. Es rettet viele Betriebe, gewiss, aber nur weil man eigentlich ständig leistungsloses Geld bekommt, um das, was man von außen zukauft – was eigentlich der Landwirtschaft fremd ist, was gar nicht selber produziert –, dass das wieder von den Landwirten finanziert werden kann und damit die Industrie unterstützt wird.

Also das ist der wesentliche Punkt: Dass man das nicht abzuschreiben braucht. Warum nicht? Weil das Ganze sich selber reproduziert, wenn man es richtig macht. Also nicht nur die Kuh reproduziert sich, nicht nur der Weizen reproduziert sich im Produktionsprozess, sondern der ganze Hoforganismus reproduziert sich im Produktionsprozess. Von Ernte zu Ernte. Und jetzt muss ich nur – das ist die ganze Intelligenz, meine Arbeit so zu leisten, dass das hier als Ganzes sich wirklich von Jahr zu Jahr reproduzieren kann, der Organismus der Landwirtschaft.

Das Kapital ist hier eben nicht Geldkapital, sondern das ist Naturkapital, was hier optimiert wird durch menschliche Arbeit.

Preisbildung und Regionalmarkt: Die Landwirtschaft als Urproduktion 00:15:14

Nun, wir hatten davon gesprochen, dass aus dem Ganzen hier dann ein Preis entsteht, den man eigentlich überhaupt nicht kalkulieren kann, der irgendwie entsteht – heutzutage meistens von ganz wenigen Konzernen diktiert, weltweit. Und über diesen Preis muss man irgendwie sehen, dass man das ganze Ding einigermaßen wirtschaftlich über die Runden bringt im Jahr, seinen Verpflichtungen nachkommt. Und der Preis nun bezieht sich auf eine Ware, die dann auf einem regionalen Markt ihren Absatz findet.

Und auch das müssen Sie versuchen, sich mal ganz klar zu machen: Dieser Produktionsprozess der Industrie führt notwendigerweise zur Weltwirtschaft. Das geht gar nicht anders. Das ist ein Gesetz. Und am liebsten wäre es der Industrie, man könnte noch exportieren in den Weltraum. Das machen sie mit den Raketen. Die Raketen, alles was man da hochschickt, dieser Metallmantel um die Erde herum, diese ganzen Satelliten, das sind ja auch alles Wirtschaftsobjekte. Industrielle Ware, Intelligenz, die dann in den Weltraum geschossen wird.

Aber das hat einfach Grenzen, das geht nicht mehr so weiter. Das Wachstum ist begrenzt. Man kann nicht unentwegt meinen, man könnte noch wachsen, wachsen, wachsen. Und dass es unsere Aufgabe ist, dieser Grenzen uns bewusst zu werden.

Und die letzte Konsequenz eben diese ist: Dass die industrielle Produktion im Grunde genommen in Bezug auf ihre Preisbildung abhängig ist von der Agrarproduktion, dass die Landwirtschaft den Preis bestimmen müsste – genau umgekehrt wie heute. Die Landwirtschaft müsste den Preis bestimmen der industriellen Schöpfungswerte, weil nämlich die Landwirtschaft die Urproduktion ist. Hier produzieren wir alles dasjenige, was der Mensch braucht, dass der Mensch sein kann auf Erden. Und das ist die Urproduktion, die Urwertschöpfung.

Und die muss so gestaltet werden – das sind 100 Jahre, 200 Jahre, wenn nicht 1000 Jahre, die da drauf gehen, bis die Menschen sowas mal wirklich nicht nur begreifen, sondern auch durchführen können, realisieren können –, dass die Landwirtschaft aufgrund ihrer Bedingungen, ihrer sozialen Bedingungen, dass Menschen da sind, die diese Arbeit machen und zwar geistgemäß machen, wieder mehr geschätzt wird. Da reichen heute 2% der arbeitenden Bevölkerung nicht aus. Ich sehe in Zukunft wieder 25% der Bevölkerung landwirtschaftstätig sein müssen.

Je mehr man das begreift, desto mehr wird man auch wieder Landwirt und nicht nur Computertechniker. Und wenn wir nochmal weiter 40, 50 Jahre oder 100 Jahre in die Zukunft denken, dann kann man nur hoffen, dass das Bewusstsein der nachfolgenden Generation sich so entwickelt, dass man so souverän und so selbstlos ist – denn ohne Selbstlosigkeit geht gar nichts in der Welt –, sich so zur Verfügung stellt, aus innerer Freiheit, aus Einsicht in diese Prozesse, dann kann man allmählich auch wirklich was in der Welt verwandeln.

Und da hat die Landwirtschaft eine ungeheure Aufgabe, und der biologisch-dynamische Landbau ganz besonders.

Drei Wege der Geschichtsbetrachtung 00:22:17

Und jetzt möchte ich eine Betrachtung anschließen, die wieder etwas abwegig erscheint. Indem ich nämlich versuche, jetzt mal diesen Begriff des Organismus in seinem Entstehen zurückzuverfolgen, in Bezug auf die ganze Geschichte der Landwirtschaft, in urferne Vergangenheiten. Wie hat sich eigentlich ein solcher Begriff, wie man ihn heute denken kann, durch die Jahrtausende hindurch entwickelt?

Da ist ein biografischer Faden zu verfolgen. Und das möchte ich jetzt einmal versuchen.

Und weil wir heute in einem archistorischen Zeitalter leben – wissen Sie, was das heißt? Keine Ahnung von Geschichte. Das heißt archistorisch. Wer hat heute noch wirklich ein Verhältnis zur Geschichte? In der Schule lernt man das auch noch, irgendwo ein paar Jahreszahlen – 333 bei Issos, die erste Alexander-Schlacht. Das ist so maßlos dünn, unser Geschichtsbewusstsein heute.

Wir leben so sehr in der Gegenwart als moderne Menschen, dass wir eigentlich nur an dem jeweiligen Fortschritt unser Bewusstsein hängen. Wenn da wieder ein neues iPhone auf den Markt kommt, dann ist alle Menschheit einer Sache bewusst und stürzt sich da drauf. Oder ein neuer Bestseller auf den Markt. Aber was ist eigentlich das Wesen der Geschichte?

Und ohne diese Kenntnis der Geschichte kann man als Mensch nicht wirklich existieren. Und zwar einfach aus dem Grunde, weil ich ja immer in dem, was ich tue, denke, fühle, will, anknüpfe an das, was die vor mir Vorangegangenen gedacht, gefühlt, gewollt haben. Und da ist ein roter Faden. Und ich kann nur Entwicklung schaffen in der Welt, wenn ich an diesen roten Faden anknüpfe. Ich kann nicht einfach blind irgendwas Neues machen, das geht daneben. Sondern ich muss evolutiv denken lernen, aus der Vergangenheit in die Gegenwart, und die Gegenwart verwandeln in die Zukunft.

Es gibt ein wunderbares Wort von Thomas von Aquin, dem Hochscholastiker aus dem 13. Jahrhundert. Der hat gesagt: Zukunft ist die verwandelnde Vergangenheit. Wenn ich jetzt in die Zukunft wirken will, dann muss ich schließlich ein Verständnis für die Vergangenheit haben. Sonst weiß ich gar nicht, was ich verwandeln soll. Und im Grunde genommen kann das jeder Mensch erleben in seiner eigenen Biografie, dass er eine Vergangenheit mitbringt in dieses Erdenleben. So wie ich bin, meine ganzen Veranlagungen. Und mein ganzes Erdenleben besteht darin, dass ich das verwandeln muss. Dass ich nicht dabei stehen bleibe, sondern dass ich ständig mich selbst verwandeln muss und mich dadurch zukunftsfähig mache. Das ist ein so tiefes Gesetz, das allem Lebendigen, aller beseelten geistigen Natur zugrunde liegt.

So, jetzt gibt es drei Wege der Geschichtsbetrachtung, die möchte ich nur ganz kurz charakterisieren.

Es gibt einen Weg der Geschichtsbetrachtung, der man heute landläufig betreibt. Das ist die Geschichtsbetrachtung aufgrund von Dokumenten oder archäologischen Funden oder irgendetwas. Darauf gründet sich heute weitgehend unser Geschichtsverständnis. Und ich möchte sagen, das ist ganz, ganz dünn, ein hauchdinnes Eis. Und sagt eigentlich noch nicht viel aus. Man findet immer wieder Neues und ist immer wieder erstaunt. Aber ein durchgreifendes Geschichtsverständnis entsteht daraus nicht.

Was hat das jetzt mit mir selbst zu tun? Das sind die Fragen, die sich aus dieser dokumentarischen Geschichtsbetrachtung heraus ergeben.

Das Zweite ist die Kunstgeschichte. Was Wunderbares, was Herrliches. Da betrachtet man nicht nur, dass da ein Bild ist, eine Skulptur, eine griechische Gestalt oder ein griechischer Tempel oder irgendwas. Sondern man erlebt sofort: Das hat mit mir irgendwas zu tun. Ich schaue es an, ich schaffe es im Anschauen nach, wenn das Bild mir was sagen soll – von Grünewald oder Dürer oder so. Wenn ich es anschaue und es mir wirklich was sagen will als Kunstwerk, dann merke ich: Ich muss es innerlich nachschaffen, um es als Bild dann in mir wirklich zu tragen, es wertzuschätzen.

Und so ist es mit allen Kunstwerken, wenn die denn wahre Kunstwerke sind. Die haben immer was mit den Menschen zu tun. Denn der Mensch hat sie hervorgebracht. Der Mensch hat sein Innenleben zu einer bestimmten Zeit nach außen gestaltet in das Kunstwerk. Und wir betrachten heute das Kunstwerk und können zurückschließen vom Kunstwerk auf die Art, wie diese Menschen damals gedacht, gefühlt, gewollt haben. Das ist eine wunderbare Sache, ein tieferes Verständnis zu entwickeln für Geschichte generell.

Und das Dritte ist die Religion, verstanden als die Mythologie der Völker. Heute ist ja die Religion irgendwo belastet. Sondern die wahren Religionen sind die Mythologien der Völker. Und da aus den Mythologien spricht wieder nochmal eine andere Sprache. Und ich merke ganz deutlich: Wenn ich Mythologie – die griechische Mythologie zum Beispiel, oder die nordisch-germanische Mythologie –, wenn ich sie verstehen will, dann muss ich mich innerlich anstrengen und muss diese Sprache der Mythologie übersetzen in meine Gegenwartssprache. Und dann fängt das plötzlich an zu leben.

Die Märchen sind dazu da, dass man die nimmt als Bilder. Und jetzt verinnerlicht man diese Bilder und merkt plötzlich: Mein Gott, was ist da ausgesagt in diesen Märchen? Das hat ja alles mit mir selbst zu tun. Da finde ich mich selbst drin wieder, als Mensch.

Und so meine ich, gibt es also drei Formen der Geschichtsbetrachtung, die alle drei wert sind, dass man sich allmählich hineinfühlt, nicht nur denkt – hineinfühlt in diese unendlich weisheitsvollen Zusammenhänge, die in der Evolution der Menschheit nachvollziehbar sind.

Die vierte Geschichtsbetrachtung: Bewusstseinsgeschichte 00:31:04

Nun gibt es aber noch eine Art vierte Geschichtsbetrachtung. Und die kann man eigentlich erst herausverstehen aus der Anthroposophie, aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Und diese Geschichtswissenschaft, die stützt – und das kann eine zukünftige Geschichtswissenschaft überhaupt ausmachen –, dass man die äußeren Erscheinungen in der Welt, das Verhalten der Menschen im Sozialen und alles das, dass man das als Symptome nimmt für etwas, was diese Symptome geschaffen hat.

Von dem Gesichtspunkt aus ist nämlich alle Geschichte Bewusstseinsgeschichte. Und wenn man das mal begriffen hat, dass alle Geschichte Bewusstseinsgeschichte ist, das heißt, die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins steht hinter den äußeren Erscheinungen, die uns da dokumentarisch oder künstlerisch oder mythologisch vor Augen geführt werden – die Bewusstseinsgeschichte, der Mensch entwickelt sein Bewusstsein.

Also ich möchte sagen, das ist auch für eine jüngere Generation, muss es also wie ein Schlüssel wirken, die Türen öffnen, dass man sich selber als Mensch auch besser begreift: Ich bin ein mich entwickelndes Wesen. Ich bin nicht nur der, der ich bin, so wie ich mal geboren bin, sondern ich habe die Kraft in mir, mich ständig zu verwandeln, weiterzuentwickeln. Wenn ich nur will.

Wenn man so mal hineinschaut in die Geschichte und sich sagt: Wenn ich mir Bilder, Fresken anschaue in irgendeiner romanischen Kirche, aus dem 9. Jahrhundert – wie zum Beispiel auf der Reichenau, wer mal auf der Reichenau war, der kann das wunderschön sehen –, und schaue mir an, wie haben die da gemalt, die Menschen? Dann stehen die alle nicht auf der Erde. Und die Häuser und die Perspektive gibt es gar nicht, die ist völlig verquer. Die Perspektive, dass ich auf einen Fluchtpunkt hinschaue, das kommt erst seit dem 15. Jahrhundert. Diese Dimensionen sind ganz anders. Da merkt man, die Menschen haben vollkommen anders empfunden. Die hatten noch kein perspektivisches Anschauen.

Also eine wirkliche Geschichtsbetrachtung geht davon aus, dass man alles, was erscheint, archäologisch oder sonst wie, dass das ein Symptom ist für etwas. Für etwas, was diese Erscheinung hervorgebracht hat. So wie die Pflanze, wenn ich sie anschaue, hat sie eine bestimmte Gestalt – eine Rose, eine Lilie –, und ich schaue sie an und sehe nur das, die äußere Form. Aber was hat sie geschaffen? Welche Kräfte waren wirksam, um diese Form in Erscheinung zu bringen? Und so ist es auch mit der Geschichte.

Welche Kräfte haben gewirkt, dass die Menschheit sich mal so dargestellt hat, mal so, mal so, und wie steht das in einem Zusammenhang?

Das platonische Weltenjahr und die Tierkreis-Epochen 00:34:52

Und da muss ich jetzt eine kurze Betrachtung einschalten, die natürlich die Tendenz hat, ein bisschen abstrakt zu sein, aber die soll mal eine Hilfestellung sein, damit man überhaupt begreift, das Folgende, was ich dann darstellen will.

Es gibt ja den – man kann immer nicht sagen, den bedeutendsten Philosophen der Menschheit überhaupt, es gibt keinen den bedeutendsten Philosophen –, einen ganz herausragenden Philosophen des alten Griechentums: Das ist Platon. Platon, der Lehrer des Aristoteles. Ein Eingeweihter in die alten ägyptischen Mysterien. Ein Mensch, der ein ungeheures Wissen hatte, eine Weisheit, die noch aus einer Mysterienvergangenheit stammte.

Die Mysterien – haben Sie das Wort schon mal gehört? Die Mysterien waren früher die großen Lehr- und Schulungsstätten der Menschheit. Lange, lange bevor es Universitäten gab. Und die Universitäten sind kein Ersatz für die Mysterienstätten. Die Mysterienstätten, das waren Stätten, die hat man zum Teil gekannt, zum Teil auch nicht, die waren sinnlich-übersinnlich. Eine solche Mysterienstätte war zum Beispiel Delphi in Griechenland, oder Olympia, oder Eleusis, oder in Kleinasien Ephesus. Und in Ägypten gab es alte Mysterienstätten, On, bei Kairo, südlich von Kairo. Und so gab es durch den ganzen Orient, tief bis nach Mittelasien hinein, solche Mysterienstätten, wo eine Priesterschaft in Kenntnis war der übersinnlichen Welt. Es waren Eingeweihte in die übersinnlichen Tatsachen, und die jetzt als wenige – es waren ganz wenige Menschen jeweils – dann herausgetreten sind aus ihren Mysterienstätten und haben die gesamten sozialen Verhältnisse der Menschen zu damaligen Zeiten geregelt. Bis in die täglichen Tätigkeiten hinein.

Zum Beispiel die Mysterienstätten Irlands und im Norden, die Hibernischen Mysterien – die haben dann den Menschen angeleitet, zum richtigen Zeitpunkt das Korn auszusäen, zum richtigen Zeitpunkt den Stier durch die Herde zu führen, zum richtigen Zeitpunkt jedwede Tätigkeit in der Landwirtschaft auszuführen – aufgrund dieser höheren Erkenntnisse, die nur in den Mysterien gepflegt worden sind, die strengstens geheim waren, die nicht verraten werden durften. Über den Verrat der Mysteriengeheimnisse stand der Tod. Es war also eine streng gehütete Welt der Kenntnis einer höheren Natur in der Natur, des Geistigen, und aus dem haben sich die ganzen Kulturen entwickelt.

Und nun kann man feststellen, wenn man so die großen Bögen mal in die Vergangenheit schaut, dass zu verschiedenen Zeiten ganz bestimmte Einbrüche waren. Große Einbrüche, große Umwälzungen, wo etwas zu Ende kommt, stirbt, und der Keim ist für etwas ganz Neuem, nie Dagewesenes.

Und um das zu verstehen, möchte ich jetzt noch Folgendes kurz charakterisieren: Das, worauf Platon hingewiesen hat, aber das Wissen von Platon war wieder ein Mysterienwissen aus der Vergangenheit – und das, was ich jetzt darstelle, wird genannt das platonische Weltenjahr.

Und das platonische Weltenjahr beschreibt die Regression der Sonne durch den Tierkreis, rückläufig. Das heißt, die Sonne steht nicht immer gegenüber dem Tierkreis an derselben Stelle, sondern sie wandert im Tierkreis rückläufig – Regression heißt das, Rückläufigkeit –, entgegen dem Uhrzeigersinn wandert sie durch den ganzen Tierkreis hindurch.

Also: Wenn Sie im Frühjahr, am 21. März, das ist die Tag- und Nachtgleiche, die Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche – zwölf Stunden Tag, zwölf Stunden Nacht –, wenn Sie von Ihrem Standort scharf nach Osten schauen und dort die Sonne aufgehen lassen und jetzt schauen Sie in derselben Richtung, wie Sie auf die Sonne schauen, verlängern Sie diese Blickrichtung unendlich weit bis in den Tierkreis – dann kommen Sie auf die Fische. Das Sternbild der Fische steht heute im Hintergrund, im Osten hinter der Sonne, zum Frühlingsanfang.

Und die Sonne nun bleibt nicht immer nur in den Fischen stehen, sondern wenn Sie zurückgehen in der Entwicklung, dann werden Sie sehen, dass die Sonne früher im Widder stand, noch weiter zurück im Stier, dann mit den Zwillingen im Hintergrund und dann mit dem Krebs. So wandert die Sonne aus der Vergangenheit in die Zukunft, entgegen dem Uhrzeigersinn, durch den Tierkreis. Das ist die Regression.

Und jetzt haben die Leute damals in den Mysterien ausgerechnet – die hatten keinen Computer und keinen Garnichts, sie haben nur eben gewusst –, sie haben festgestellt, dass der Sonnendurchgang durch den Tierkreis, in diesem Sinne, eine Zeit in Anspruch nimmt von 25.920 Jahren. So lange dauert das. Also ein voller Durchgang der Sonne durch den Tierkreis. Wenn Sie dieses 25.920 jetzt durch zwölf teilen, dann kommen Sie auf 2.160 Jahre. Das heißt: Die Wanderung der Sonne vom Widder bis zu den Fischen, das sind 2.160 Jahre.

Und wenn Sie jetzt mit dieser Zahl, mit diesem Gesichtspunkt mal die Geschichte betrachten, dann werden Sie feststellen – dann fallen einem die Schuppen von den Augen. Weil man dann plötzlich erkennt, dass die großen Zeitabschnitte der Kulturen, in plus minus – das sind immer Übergänge –, um die 2.160 Jahre dauern. Die großen, gewaltigen Kulturabschnitte der Menschheit.

Die fünf nachatlantischen Kulturepochen 00:47:46

Und da entsteht nun eine erste Kultur der nachatlantischen Entwicklung, eine erste Kulturepoche: Das ist die urindische Kultur. Dann eine zweite Epoche: Das ist die urpersische Kultur. Dann eine dritte Epoche: Das ist die ägyptisch-chaldäische Kultur. Dann die vierte Zeit: Das ist die griechisch-römische Kultur. Und schließlich unser gegenwärtiges Zeitalter steht im Zeichen der Fische.

So, das war jetzt nun mal mehr abstrakt und so ein Hinweis auf eine Geschichtsanschauung, die die Menschheit früher mal hatte, indem sie vom platonischen Weltenjahr gesprochen hat und wusste, dass die Geschichte nicht einfach nur geradlinig irgendwie per Ursache und Wirkung einen Verlauf nimmt, sondern da ist ein rhythmisches Verlauf von Sterben und Werden. Eine Kultur entwickelt sich, geht ein und eine neue fängt an, geht ein, wieder eine neue fängt an, und so weiter.

Die Bewusstseinsseelenzeit: Das Zeitalter der Fische und die Neuzeit 00:49:55

Wenn wir hier jetzt mal mit unserer Gegenwart anfangen – also das ist das Zeitalter der Fische, in dem wir uns befinden –, dann sind wir eigentlich im Zeitalter der Fische erst im ersten Drittel. Wir stehen am Anfang. Das hat nämlich astronomisch gesehen seinen Beginn im Jahr 1413. Aber das Erstaunliche ist: Wenn man heute Geschichtsbetrachtung stellt, spricht man von der Neuzeit heute und meint, dass sie um das 15. Jahrhundert ihren Anfang genommen hat. Also hier, im 15. Jahrhundert. Die Neuzeit, da meint man was ganz Bestimmtes. Dieses 14., 15. Jahrhundert war eine unglaubliche Umbruchzeit in der gesamten Entwicklung der Menschheit.

Und jetzt muss man mal die Symptome aufsuchen überall, wo dieser Umbruch in Erscheinung tritt. Vor dieser Zeit hier gab es noch die Goldgrundmalerei – keine Perspektive, da war der Himmel immer ein Goldgrund, auf dem sich etwas davor irgendwie abgespielt hat. Auch in der Ikonenmalerei, der ganzen mittelalterlichen Malerei kommt das zum Ausdruck. Die Perspektive tritt plötzlich in Erscheinung, eine völlig neue Raumanschauung, die Naturwissenschaften entstehen, das kopernikanische Weltsystem entsteht. Also das ist eine unglaubliche Umbruchzeit.

Und von 1413 an – oder sagen wir mal, von Beginn des 15. Jahrhunderts an – entwickelt der Mensch eine neue Seelenqualität. Und das nennt man die Bewusstseinssele.

Was heißt denn das, die Bewusstseinssele? Wenn wir uns richtig verstehen wollen als heutige, moderne Menschen, dann merken wir ganz deutlich: Wir sind ganz auf uns selbst gestellt. Es gibt zwar einen Wohlfahrtsstaat, der trägt uns irgendwo, es gibt Krankenkassen, man ist irgendwie in einem Netz drin, selbstverständlich. Aber wenn man sich selber fragt, als Mensch, dann würde man sagen: Mein Gott, ich bin eigentlich ganz alleine. Ich bin ein ganz einsamer Mensch.

Das charakterisiert den modernen Menschen: Er ist endlos einsam. Und er sucht natürlich immer Anschluss irgendwo an andere Leute und ist dann furchtbar enttäuscht, dass das meistens nicht mehr lange hält. Man sucht den Fanklub, man sucht den Fußball oder Rockmusik oder sonst wo, man will sich anschließen, das hat man nur auf der seelischen Ebene. In der geistigen Ebene ist man einsam, einsam, einsam.

Und hat kein Bewusstsein von sich. Und jetzt merkt man aber: Irgendwas in mir will. Irgendwas in mir will, ich will mich doch in Freiheit selbst bestimmen. Und jetzt muss ich aber wieder aus diesem Gefängnis, was ich mir selbst gebaut habe, raus. Ich muss Anschluss finden an die anderen Menschen.

Also in dieser Lage befinden wir uns. Und was suchen wir eigentlich in dieser Einsamkeit? Wir suchen uns selbst. Aber indem wir dem anderen Menschen begegnen. Und suchen in uns selbst dasjenige, was wirklich schöpferisch in uns selbst wirkt und noch ganz unbewusst ist – wir nennen es unser Ich. Unsere Geistwesenheit, der, der Ich bin.

Bewusstseinssele bedeutet im Grunde genommen: Ein Bewusstsein entwickeln seines eigenen geistigen Ursprungs. Ich muss lernen als Mensch ein Bewusstsein entwickeln in mir, dass ich, der alleine, der ich bin, doch Mensch bin im umfassendsten Sinne. Ich bin menschheitlich verbunden mit allen Menschen auf der Erde, egal wo die herkommen, welche Sprachen sie sprechen oder was. Das ist ein Grundgefühl, was der moderne Mensch entwickeln kann, dass wenn er auf dem Wege der Selbsterkenntnis schreitet, er plötzlich die Welt versteht und sein Eingebundensein in die gesamte Menschheit.

Das Finden des Geistes in sich selbst – das ist eigentlich die Aufgabe der Bewusstseinssele.

Dass wir hier sitzen und jetzt hier mir zuhören und dass wir hier einen biologisch-dynamischen Landbau betreiben wollen, das ist im Grunde genommen aus einem Impuls geboren, der mit dem Ich zusammenhängt. In Ihnen wirkt dieses Ich und das hat Sie geführt, in Ihrer ganzen Biografie, jetzt zu einem solchen Moment. Verständlich. Und so ist es im ganzen Leben. Man begegnet immer einer Welt da draußen, die mich auffordert, mich selbst zu erkennen. Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Das ist die Aufgabe der Bewusstseinssele.

Die griechisch-römische Epoche: Verstandessele und Begrifflichkeit 00:57:30

Und jetzt, wenn wir zurückgehen vor das Jahr 1413, da tauchen wir ein ins Mittelalter. Die Hochscholastik, die sich gliedert in solche Gestalten wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin, das sind sozusagen die Säulen des Hochmittelalters – der Gipfel menschlicher Verstandesentwicklung. Und dann gibt es 100 Jahre davor noch eine andere Säule: Das ist die Schule von Chartres, die da noch einmal das ganze Griechentum aufleben lassen, in dieser ganzen künstlerischen Entwicklung, die in der Schule von Chartres gepflegt worden ist.

Und dann geht es weiter zurück und dann tauchen wir ein in die eigentliche römische und griechische Kultur. Das Zeitalter des Widders. In einer Zeitspanne von 2.160 Jahren entwickelt sich hier seit 747 v. Chr. – die Gründung Roms datiert man heute auf 752 –, jetzt die griechisch-römische Kultur.

Und diese griechisch-römische Kultur, was hat sie hervorgebracht? Welche Art von Seelenbildung? Die hatte noch keine Bewusstseinssele. Stellen Sie sich das mal vor. Das hilft einem ungeheuer stark, viel reiner einzudringen in die besondere Geistigkeit, die da in Griechenland und Rom gewirkt hat. Sondern die haben ausgebildet die Verstandessele. Es ist noch nie so scharf gedacht worden wie in der griechisch-römischen Kultur. Nie wieder. Wie Thomas von Aquin oder wie Aristoteles gesagt hat – unerreicht. Ein wirklichkeitsgemäßes Denken, aber rein verstandesmäßig. Also die Welt sozusagen in Begriffe auflösend. Platon hat noch in großen Bildern gedacht, der alten Mysterien. Und sein Schüler Aristoteles prägt alles in die scharfen Begriffe, in Begriffskategorien. Das charakterisiert diese Zeit.

Die ägyptisch-chaldäische Epoche: Empfindungssele und Geistwahrnehmung 01:02:14

Und wenn wir jetzt noch weiter zurückgehen, wiederum 2.160 Jahre, dann kommen wir in die Zeit des Stiers. Und das beginnt im Jahr 2907 vor Christus, astronomisch gesprochen. Und von dieser Zeit an, also Beginn des dritten Jahrtausends, fängt an die große, gewaltige urägyptische Kultur, die alte ägyptische Kultur. Und gleichzeitig die sumerische, babylonische und chaldäische Kultur des Zwei-Strom-Landes, Mesopotamien, zwischen Euphrat und Tigris gelegen.

Und da hat sich nun wiederum eine besondere Seelenqualität ausgebildet: Die Empfindungssele.

Stellen Sie sich mal vor: Eine Menschheit, die in dem Sinne noch kein solches Verstandesbewusstsein, noch kein solches selbstständiges Bewusstsein der Bewusstseinssele hatte, sondern nur empfindend, nur die Welt empfindend. Und das jetzt ausgebildet – diese Fähigkeit der Empfindung prägt die ganze ägyptische und chaldäisch-babylonische Kultur.

Nur die vornehmsten Geister, nur in den Mysterienstätten, da war man schon weiter in der Bewusstseinsentwicklung. Aber die allgemeine Bevölkerung bildete jetzt überhaupt erst die Empfindungssele aus. Versuchen Sie sich mal das zu vergegenwärtigen, was das bedeutet: Dass das ganze Seinsverständnis des Menschen rein genährt wird nur durch Empfindungen. Noch keine Gedanken in dem Sinne – also Gedanken schon, aber so andeutungsweise, dass einem überhaupt etwas bewusst wird. Aber im Wesentlichen Empfindungen. Aber in einem solchen unendlichen Reichtum, dass daraus eine ganze ungeheure Kultur gewachsen ist.

Diese Zeiten, insbesondere die Babylonier und Chaldäer, haben die moderne Astronomie hervorgebracht. Aber nicht, weil sie nur ständig da oben beobachtet haben, wie der Tycho Brahe später im 16. Jahrhundert oder der Kepler, mit Augen da oben raufgeschaut, sondern die haben das empfunden. Die haben empfunden die Planetenbewegungen. Die waren da drin – aber eben mit der Empfindungssele.

Und in der Empfindungssele erwacht das Ich. Also man hat es jetzt nicht nur – das Tier empfindet auch sehr viel, aber es hat kein Ich. Aber der Mensch hat ein Ich und das erwacht jetzt in dieser Empfindungssele und erfährt jetzt plötzlich den wirkenden Geist in der Natur, jedenfalls noch schattenhaft. Und daraus kann man die ganze ägyptische Kultur verstehen.

Wir haben heute eine Bewusstseinssele, aber wir sind so trocken und dürr geworden in unserer Bewusstseinssele, wir können gar nicht mehr nachvollziehen, welcher Reichtum an Empfindungen diese Menschheit damals hatte. Und die war kulturschöpferisch.

Die urpersische Epoche: Zarathustra und die Begründung des Ackerbaus 01:08:32

Wenn wir jetzt noch weiter zurückgehen um 2.160 Jahre, dann kommen wir auf das Jahr 5067 v. Chr. – und das kennzeichnet die urpersische Kultur, im Zeichen der Zwillinge.

Die urpersische Kultur. Die verschwindet bereits in der vorhistorischen Zeit. Man rechnet heute die Geschichte normalerweise bis zum dritten vorchristlichen Jahrtausend und dann hört eigentlich alles ein bisschen auf, da verschwimmt alles. Aber im Grunde genommen ist das schon die Zeit des Neolithikums, der jüngeren Steinzeit.

Und diese urpersische Kultur war so unendlich hoch, so gewaltig, alles überragend, was wir heute auch nur annähernd zu leisten vermögen. In der urpersischen Kultur haben die Menschen den Empfindungsleib ausgebildet. Da hat sich die Leiblichkeit so gestaltet, dass sie empfindungstragend sein konnte. Und diese Urperser hatten keine Empfindung in dem seelischen Sinne wie die Ägypter. Die haben sich noch nicht auf sich selbst in diesem Sinne bezogen, sondern der ganze Leib hat sich zur Empfindung hin entwickelt, sodass das Ich sich in dem Empfindungsleib erleben konnte.

In diese Menschheit kann man sich fast nicht hineinversetzen. Deswegen sagt man auch, das ist schon jenseits der Schwelle des historisch Fassbaren. Und man hat heute auch in der äußeren Geschichte von dieser Welt des Urpersertums so gut wie keine Ahnung. Es gibt zwar Hinweise, und zwar gehen sie zurück auf Platon. Platon hat eben das ganze Urwissen der Vergangenheit aus den Mythen irgendwo zusammengefasst. Und er hat gesagt: Der Begründer für diese Kultur, der hieß Zarathustra.

So gibt es, wie es auch Begründer gibt für die ägyptische Kultur – die nannten sie Hermes Trismegistos, oder die Ägypter nannten ihn Menes –, so gibt es also Begründer für diese Kultur, die am Anfang dieser Kultur standen. Und so ist es hier der Zarathustra. Und der Platon sagt, dieser Zarathustra hat gelebt 5000 Jahre vor mir. Wenn man das also 5000 Jahre dazuzählt, dann kommt man genau in diese Kultur.

Es gibt noch einen zweiten historischen Zarathustra, den man kennt: Das ist der Zeitgenosse von Buddha im 6., 5. Jahrhundert, in Westpersien geboren, aber hat dann sehr stark in die griechische Kultur hereingewirkt, war übrigens dann Lehrer auch von Pythagoras geworden. Dieser zweite Zarathustra hat praktisch aus derselben Geistigkeit herausgewirkt in die griechische Kultur, wie jener große Zarathustra am Anfang der urpersischen Kultur.

Und was hat dieser Zarathustra inauguriert? Der hat die Menschen darauf hingewiesen: Hört mal, liebe Freunde. Schaut nicht nur mehr mit eurem Empfindungsleib da oben zur Sonne, zu dieser Sonnengottheit, Ahura Mazdā. Schaut nicht mehr nur da oben rauf und holt euch diese Gottheit in der Sonne, sondern schaut auf die Erde. Und schaut nicht nur auf die Erde, sondern bearbeitet die Erde so, dass ihr durch die Arbeit an der Erde diese Gottheit Ahura Mazdā wiederfindet. Dass ihr nicht mehr im Direktgang in die geistige Welt schauen könnt, sondern dass ihr die Erde umarbeitet und dann erkennt, dass ihr der Gottheit Ahura Mazdā in die Hände arbeitet.

Hier ist die Begründung des Ackerbaus. Zarathustra ist der große Begründer des Ackerbaus. Und Ackerbau heißt ja: Sesshaftwerdung der Menschheit. Ich kann nur Ackerbau betreiben, wenn ich irgendwo dauerhaft ansässig bin, um die Kulturen, die ich da anbaue, zu pflegen.

Und dieser Zarathustra gibt Zeugnisse – kein Mensch hat zu diesen Zeiten irgendwas aufgeschrieben, eine Schrift gab es noch nicht. Aber später, weil die Menschheit früher ein unwahrscheinliches Gedächtnis gehabt hat – solange man nichts geschrieben hat, hat man ein umso besseres Gedächtnis gehabt –, aus diesen unglaublichen Gedächtniskräften, von Generation zu Generation, haben sich die Hymnen und all die Geistigkeit, die da gewaltet hat, fortgeerbt, auch geleitet durch die Mysterienstätten. Sodass schließlich und endlich, nachdem das alles verstorben war, zu Ende gekommen war, hat man es aufgeschrieben. Ist ja immer so, man schreibt immer dann was auf, wenn was zu Ende ist. Jedes Buch ist das Endergebnis von etwas, aber nicht der Anfang.

Und so ist diese besondere Geistigkeit der urpersischen Kultur in äußersten Nachklängen zu finden im Zend-Avesta. Das sind die Gesänge des Zarathustra, die sich fortgeerbt haben durch die Jahrhunderte hindurch und die aufgeschrieben worden sind eigentlich erst kurz vor der Zeitenwende und danach. Die Gathas – das sind die Gesänge der Avesta –, wenn Sie die lesen, da taucht immer wieder auf, dass der Himmel sozusagen so nahe bevölkert ist mit Geistwesen, mit Menschenseelen, mit Tierseelen, mit allem möglichen. Man hat so den Eindruck: Da ist noch gar kein richtiger Unterschied zwischen Erde und Himmel. Das fängt jetzt erst an den Leuten bewusst zu werden, das sind ja zwei Welten eigentlich.

Versuchen Sie sich mal das vorzustellen: Es ist keine Verstandessele, keine Bewusstseinssele, sondern es ist ganz Elementares, unglaublich intensives Miterleben, Mitdrinnsein in den gesamten kosmischen Zusammenhängen.

Nun, diese Zeit hier ist nicht nur die Begründung des Ackerbaus, sondern auch die Zeit, wo unsere ganzen Kulturpflanzen entstanden sind. Stellen Sie sich das mal vor! Unsere ganzen Kulturpflanzen sind in der urpersischen Kultur plus minus entstanden. Angefangen vom Weizen und der Wintergerste. Deren Urformen findet man im östlichen Afghanistan, in den Abhängen des Hindukusch, des Pamir – da sind die Urformen von unseren Wintergersten und Winterweizen anzutreffen. Später hat sich dann der Roggen und der Hafer dazu entwickelt. Und sämtliche Gemüsearten und sämtliche Obstarten – alles hat sich in der urpersischen Kultur entwickelt.

Stellen Sie sich das mal vor. Aus dieser Kraft des Empfindungsleibes, noch ganz in den kosmisch-irdischen Verhältnissen drinnen lebend.

Die urindische Epoche: Beginn des Ackerbaus und Haustierwerdung 01:19:01

Und schließlich kommen wir dann in die urindische Kultur, die sich nun im Zeichen des Krebses entwickelt hat. Der Krebs ist ja das Himmelszeichen, was immer darauf hindeutet, dass ein großer Zeitraum der Entwicklung zu Ende kommt, sich involviert, und dann wieder ein neuer Entwicklungszeitraum daraus hervorgeht.

Und so ist es eigentlich: Die urindische Kultur ist sozusagen der Moment, wo eine ältere Menschheit, die auf der alten Atlantis – der untergegangenen Atlantis, auf die Platon im Übrigen auch hinweist, die im Westen lag, also im nördlichen Atlantik –, dass diese untergegangene Kultur jetzt völlig zu Ende ist und jetzt ein Neuanfang beginnt.

Und diese urindische Kultur ist für uns heute schon gar nicht fassbar. Da entwickelt sich nämlich jetzt das Ich im Ätherleib. In der ätherischen Organisation, das heißt in der Lebensorganisation des Menschen, fängt der Mensch jetzt erst an, sein Ich zu erleben als Mensch. Das ist eine Stufe der Entwicklung, wo man sagen kann, dass die damalige Menschheit der urindischen Zeit noch ein kosmologisches Bewusstsein hatte, gar kein irdisches Bewusstsein.

Zarathustra hat die erst angeleitet: Bitte, guckt mal auf die Erde runter, guckt mal, was da eigentlich ist, und arbeitet das um. Während zu Beginn der urindischen Kultur die damalige Menschheit angeleitet wurde, aufzuwachen im Ich in ihrer eigenen Lebensorganisation. Ganz ein schlafendes Bewusstsein ist das. So wie man in der Nacht im Bett liegt und schläft, so muss man sich ungefähr das Bewusstsein dieser Menschen vorstellen. Da erwacht das Ich noch in einem kosmologischen Bewusstsein.

Die alten Inder haben eigentlich keinen wesentlichen Unterschied gemacht zwischen Himmel und Erde. Und die spätere indische Epoche – das kommt dann auch in den letzten Dokumenten, die auf diese Zeit hindeuten –, das sind die Veden, die Vedanta-Philosophie, die Bhagavad-Gita. Das sind so die allerletzten Ausklänge, die dann viel, viel später aufgeschrieben wurden – um 1000 vor Christus datiert man etwa die Bhagavad-Gita. Und wenn man das liest, dann merkt man: Mein Gott, was war das für ein Bewusstsein? Ein Himmelsbewusstsein, kein Erdenbewusstsein. Ein Himmelsbewusstsein – die Menschen haben ganz in den geistigen Urgründen sich erlebt, aber konnten daraus noch gar nichts tun.

Die Inder haben möglichst nicht gearbeitet, sondern sich von den Früchten des Feldes einer ganz außergewöhnlichen Natur ernährt. Nämlich das war das Gebiet des Ganges in Nordindien, am Südabhang des Himalaya. Und in dieser Region hat sich diese wunderbare, zarte, noch ganz durchgeistigte Kultur des alten Indertums entwickelt, unter Führung der sogenannten sieben heiligen Rishis. Das waren, wie soll ich sagen, mehr als Menschen, die aber unter den Menschen gewandelt sind – die sieben heiligen Rishis –, und die sozusagen diese Menschheit begleitet haben auf diesem noch schlafenden Bewusstseinsweg durch die ganze Kultur hindurch.

So ist jetzt in Bezug auf diese urindische Kultur als Kulturimpuls nur zu sagen, dass es eine magisch-sakrale Kultur war. Wo die Menschen noch aus ganz anderen Fähigkeiten heraus einwirken konnten auf die Lebensprozesse der Pflanzen und dann insbesondere die seelischen Prozesse der Tiere. Und was aus den archäologischen Funden hervorgeht, dann ist es im Wesentlichen doch eine sehr intensive Beziehung zu den Tieren, die da schon am Ausgangspunkt stand – also der Haustierwerdung.

Der Hund ist das älteste Haustier. Wir befinden uns hier also jetzt im 8. Jahrtausend vor Christus, hier in der urindischen Kultur. Und davor noch weit taucht der Hund als Haustier auf. Und das Eigenartige ist – und das ist auch symptomatisch für alle diese Werdeprozesse –: Dass am Anfang die ganze Breite, die ganze Fülle der Variationen auftritt. Nicht irgendwie einer, der jetzt gerade vom Wolf abstammt, wie man das heute sich vorstellt, sondern gleich die ganze Breite, das ganze Spektrum – von kleinen Hunden, großen Hunden, langbeinigen, kurzbeinigen, langen Schwanz, kurzen Schwanz, kurze Schnauze, lange Schnauze, Rennhund oder Dackel, alles war schon da. Das ist unvorstellbar, das stellt in Frage die ganze Evolutionstheorie der Tiere. Am Anfang war die große Zahl, die hat sich dann eher vermindert als vergrößert.

Die urpersischen Kulturpflanzen: Plastizieren im Lebendigen 01:27:34

Aber wenn wir jetzt in die urpersische Kultur kommen, was ist hier charakteristisch, was ist das eigentlich Kulturbegründende dieser Kultur? Da muss man sagen: Es sind die sämtlichen Kulturpflanzen und die eigentliche Haustierwerdung. Der Hund ist noch durch die Gegend gerast und hat die Herden gejagt. Aber jetzt, wenn ich Kulturpflanzen anbaue, dann muss ich sesshaft werden, dann muss ich die Erde bearbeiten, das ist das Urpersertum.

Und stellen Sie sich mal vor: Diese Menschen waren in der Lage, Kulturpflanzen zu züchten. Haben die gekreuzt, wie wir heute kreuzen? Haben wir all diese Genmanipulationen, haben die das schon verstanden damals?

Stellen Sie sich mal vor, dieses Bewusstsein des Empfindungsleibes, das war da noch ganz eingebettet im Umkreis. Diese Urperser waren in der Lage, das Lebendige als solches zu plastizieren. Nicht das Physische. Die haben von oben in die Lebensorganisation der Pflanze eingegriffen, haben die Lebensorganisation verwandelt, und die physische Organisation hat sich danach ausgestaltet, bis in die Genstrukturen, schließlich in den Erbvererbungsleib. Das waren Plastiker im Lebendigen, diese Urperser.

Die haben es vermocht, den Samen der Pflanze, der winzig klein ist – ein Sämchen von einem Gras –, den so zu bearbeiten, so die Pflanze zu behandeln, dass der ganz dick wurde, einen dicken Mehlkörper gebildet hat. Das ist ein Fruchtbildungsprozess. Die haben es vermocht, den Kohl zu züchten, die Möhre zu züchten. Immer Fruchtbildungsprozesse. In der Wurzel ist die Möhre. Oder beim Blumenkohl ist die Fruchtbildung mehr im Blütenbereich. Im Rosenkohl ist es mehr im Knospenbereich. Und im Blatt ist es mehr beim Salat oder beim Spinat. Oder der Kohlrabi ist eine Stängelfrucht. Die Kartoffel ist eine Stängelfrucht. Also die Urperser vermochten wirklich, alle Organe der Pflanze zum Fruktifizieren zu bringen.

Sie waren in der Lage, gleichsam wie später die Griechen, die das Tote plastiziert haben, so haben sie angefangen, dort in dieser Frühzeit das Lebendige zu plastizieren. Versuchen Sie mal, das als Gedankenbild zu nehmen. Dann merken Sie: Die haben aus ganz anderen Bewusstseinsquellen heraus veranlagt in diesen Kulturpflanzen die Fruchtbildung – von oben nach unten, nicht von unten nach oben, wie heute in der Gentechnik. In der Gentechnik ist alles quasi auf einem Raster festgelegt. Aber das ist nur der Schattenwurf von etwas, was die Menschen eben von einer ganz anderen Bewusstseinsebene herein plastiziert haben, in die Pflanzennatur.

Alle Kulturpflanzen waren da.

Und jetzt ist schon wieder die Zeit um. Und ich werde dann morgen nochmal kurz anknüpfen daran und schauen, was hat eigentlich diese Kultur dann hervorgebracht, was jene Kultur – bis in die Gegenwart. Und dann gehen wir ins Detail. Gut, also dann bis morgen.

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