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Hof als Organismus - 3. Folge von Manfred Klett, 2018
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+++ es handelt sich um eine maschinelle Rohtranskription, eine Überarbeitung von Hand, Herz und Geist ist noch erforderlich. Gerne kannst du MitTun +++
Transkription Hof als Organismus - 3. Folge von Manfred Klett vom 10. Januar 2018
Rückblick: Ehrfurcht vor dem Kulturgut der Vergangenheit 00:00:48
Einen schönen guten Morgen, seid ihr alle da? Ja, gut, dann können wir ja loslegen.
Ich habe versucht, eine etwas seltsame Geschichtsbetrachtung gestern anzufangen, um ein tiefes Verständnis zu entwickeln für das, was eigentlich heute der biologisch-dynamische Landbau anstrebt – dass das, was wir heute tun, immer anknüpft an Vergangenes. Und wir haben eigentlich, und das ist auch ein gewisses Defizit unserer Tage, keine sonderliche Ehrfurcht mehr vor dem, was frühere Menschen geleistet haben. Wo soll die auch herkommen, bei der Art der Ausbildung, die man sich heute vielfach hat? Sondern man muss sich wirklich ganz neu darum bemühen, so in den ganzen Geschichtsverlauf einzudringen, dass man erkennt: Ich verdanke alles, was heute da ist, dieser Vergangenheit.
Die Kühe im Stall, die habe ich doch nicht selber erfunden, als Haustiere. Die Schweine im Stall, die Hühner, was es auch sein mag, die Pflanzen auf den Feldern – nichts, gar nichts haben wir erfunden, sondern wir haben es übermittelt bekommen von Menschen, die da in der Vergangenheit in gleicher Weise, aber eben auch in anderer Weise pflegend, treuhänderisch mit diesem Geist des Gutes der Menschheit umgegangen sind. Das muss man mal klargemacht haben. Man kann eigentlich fast, wenn man sich wirklich innerlich hineinbegibt in diese ganzen Zusammenhänge, eigentlich nur vor Ehrfurcht vergehen, was da geleistet worden ist.
Und wir gehen heute so damit um, wie wenn es also eben das ist: Das Haustier ist zum Nutztier geworden, die Kulturpflanze zur Nutzpflanze, es ist überhaupt gar keine Beziehung mehr da. Wir hauen das Saatgut in den Boden und dann hauen diese Melkmaschinen an die Kühe und damit hat es sich – das ist der Nutzen. Eigentlich ist unser Verhältnis heute so distanziert zur Welt wie noch nie in der ganzen Menschheitsgeschichte.
Wir haben uns emanzipiert von all diesen Zusammenhängen, das hat seine guten Gründe, die kann ich ja auch noch drauf eingehen, aber es ist zunächst mal eine Tatsache. Und umso mehr bemerkt man, wenn man wirklich eintaucht in die Vergangenheit, desto mehr sind die Menschen mit dem verbunden, was sie gemacht haben.
Kosmische Rhythmen im Geschichtsverlauf und die Wesensglieder 00:03:42
Und jetzt haben wir ja gestern versucht, mal durch die Zeiten hindurch zu gehen, rückwärts, unter einem bestimmten Gesichtspunkt, nämlich dem, dass der Geschichtsverlauf der Menschheit nicht nur ein irdischer ist, von Ursache zu Wirkung, immer so weitergetragen von Jahrhundert zu Jahrhundert, sondern dass er zugleich einen kosmischen Rhythmus im Hintergrund hat. Dass der ganze Kosmos – der ganze Sternenhimmel, die Planetenzusammenhänge, alles das – beteiligt ist an dem, was dann geschichtlich sich abgespielt hat.
Und ich habe das nur angedeutet mit dem platonischen Weltenjahr, was eben den Zusammenhang schildert zwischen Erde, Sonne und Fixsternumkreis und wie daraus eben sich bestimmte Rhythmen ergeben, die man dann im Geschichtsverlauf entdecken kann. Und das haben wir dann versucht, sehr kurz mal darzustellen, wie in den Abständen von ungefähr 2.160 Jahren jetzt ganz bestimmte Impulse in der Menschheitsgeschichte wirksam werden.
Und da möchte ich jetzt nur noch mal darauf hinweisen, weil das vielleicht nicht so im Bewusstsein lebt: Dass diese Schritte von der urindischen Kultur über die urpersische und dann die ägyptisch-chaldäische, die griechisch-römische bis in jetzt Zeit, dass das im Zusammenhang steht mit der Gliederung des Menschen und der sogenannten Wesensglieder.
Der Mensch hat eine bestimmte Konstitution, das Tier auch, aber anders, die Pflanze auch, aber anders, und das Mineral auch, aber eben anders. Wenn wir jetzt mal auf den Menschen schauen, dann können wir unterscheiden im Menschen und im Tier und in der Pflanze und im Mineral durchgehend eine bestimmte Organisation, die rein physischer Natur ist. Also wir tragen alle Gesetze, die im Mineralreich wirksam sind, die man heute fasst in der Physik und in der Chemie als Wissenschaft – all diese Gesetze sind physische Gesetze, und aus diesen physischen Gesetzen ist komponiert eine bestimmte Organisation im Menschen, im Tier, in der Pflanze und im Mineral. Und wir nennen das den physischen Leib oder die physische Organisation.
Die ganze Medizin, die moderne Medizin, die so schlagkräftig ist in gewissem Sinne, die ist da schlagkräftig, weil sie diesen physischen Leib studiert hat. Den kann sie reparieren, wie ein Auto in einer Werkstatt – so wird der Mensch ja heute repariert. Die Chirurgie ist eigentlich das Gebiet in der Medizin, was am höchsten entwickelt ist, weil es sich ganz auf den physischen Leib bezieht.
Da gibt es aber eben noch ein zweites Wesensglied im Menschen und im Tier und in der Pflanze, aber nicht im Mineral: Das ist der Lebensleib oder auch der Ätherleib. Der physische Leib ist irdischer Herkunft, der Ätherleib ist kosmischer Herkunft. Und der tritt uns in der reinsten Kulturstufe entgegen im Pflanzenreich. Die Pflanze umschließt diese beiden Wesensglieder, und sie wissen ja, dass die Pflanze nur wächst, wenn die Sonne scheint, nur wächst, wenn da oben was hereinstrahlt aus dem Umkreis des Kosmos. Sonst wächst sie überhaupt nicht.
Also das muss man sich einfach mal deutlich machen. Ich möchte mal empfehlen, so naiv wie möglich zu denken. Wir denken heute viel zu theoretisch, viel zu materialistisch, wir haben alle möglichen Sachen in den Köpfen, die wir so aufgenommen haben, weiß Gott wo, an den Unis. Aber das ist alles so vordergründig, das ist alles so ausgedacht – wir müssen uns wieder angewöhnen, mal ganz elementar einfach zu denken. Und dann schauen wir auf die Pflanze und sehen: Wenn ich sie in den Keller stelle, dann wächst sie nicht mehr, verfärbt sie sich so gelblich und bildet also kein Chlorophyll mehr. Kaum, dass das Licht daran kommt, dann grünt wiederum die Pflanze. Der ganze Kosmos ist beteiligt daran, dass wir hier auf Erden Pflanzen haben.
Und jetzt gibt es eben noch eine andere Organisation – ich nenne es den Astralleib, oder den Seelenleib, das ist leicht verständlicher. Und über den verfügt der Mensch, seine Seele, aber auch das Tier. Das Tierreich ist beseelt. Das Tier unterscheidet sich darin von der Pflanze: Die Pflanze ist ein rein lebendiges Wesen, das Tier hat zusätzlich einen Seelenleib, der diese tierische Gestalt so formt, wie sie ist – die Spinne so formt, den Käfer so formt, den Elefanten so formt, wie er ist. Das ist die seelische Organisation, die dem Tier innewohnt.
Publikumsfrage: Der Seelenleib formt Mensch und Tier, aber was unterscheidet jetzt diese Form von der Form der Pflanze?
Die Pflanze wird von außen geformt, nicht von innen. Auch bei der Pflanze wirkt es astralisch, aber als Kräftewirksamkeit von außen, und gestaltet die Pflanze von außen. Die Pflanze lebt und lebt und lebt, die will sich gar nicht formen, aber dann muss sie sich formen, und sie stirbt in die Form – das ist das Schicksal der Pflanze.
Wenn Sie die ganz niederen Pflanzen nehmen, also diese bakteriellen, mikrobiellen Wesenheiten, die im Wasser herumschwimmen, oder Amöben zum Beispiel, das sind Wesen, die kaum geformt sind. Quallen, natürlich haben Quallen auch Formen, es gibt nichts auf Erden, was nicht eine Form hätte, aber es gibt eben Organismen, wo das Formhafte noch so, ich möchte mal sagen, ständig in Bewegung ist, wie das bei den Amöben der Fall ist.
Je höher ein Organismus entwickelt ist, desto stärker ist der geformt. Und das hängt eben mit dieser Empfindungs- oder Seelenorganisation zusammen, die sich dann allerdings im Tier vollständig in den Leib bindet. Die geht im Leib auf – deswegen haben wir es heute so schwer, überhaupt von Seele im Tier zu sprechen. Dabei ist es ganz offensichtlich: Die haben Augen, die haben Ohren, alle Sinne sind auch beim Tier veranlagt, sie reagieren, sie bewegen sich frei herum, aber das, was sie machen, ist absolut seelisch-leibgebunden. Da ist kein Freiheitsgrad. Und das ist ja die Tragik der Tierheit, dass im Seelischen kein Freiheitsgrad ist. Sie können nicht entscheiden so oder so – nein, sie müssen notwendig so sich verhalten. Das ist leibgebunden, leibgefesselt könnte man auch sagen.
Das Tier kann sich nicht irren, sondern es kann nur das ausüben, was als Seele in den Leib hinein gebannt ist. Und das merken wir ja auch, wenn wir uns mit Tieren beschäftigen, dass einem das Gefühl immer wieder überkommt, gerade bei höheren Tieren, einer gewissen Tragik. Das wilde Tier ist seelisch gebannt in den Leib und zeigt in seinem Verhalten dieses Seelische in Form dessen, was wir in Gedanken als Weisheit erfahren können. Das ist untrüglich – die leben das aus, was sozusagen da in den Leib gebannt ist. Und das erscheint für uns, wenn wir das nur genau genug beobachten, als höchste Weisheit. Wie weisheitsvoll das Tierhandeln in allem ist – und wie wir als Menschen in der Lage sind, das alles verkümmern zu lassen.
Das Ich-Wesen des Menschen und die Bewusstseinsgeschichte 00:18:41
Das ist also eine dritte Stufe. Und die vierte Stufe ist eben die, dass der Mensch ein Ich-Wesen ist. Das Tier hat keine Ich-Organisation. Deswegen diese Bannung an den Leib. Das ist alles notwendig beim Tier. Beim Menschen ist nichts notwendig – unbedingt nicht. Auch bei uns ist das Seelische zum Teil gebannt in den Leib. Wenn man sozusagen Alkohol-Säufer ist, dann ist das Seelische stärker gebannt in den Leib. Oder wenn man meint, man müsste sich Verführungen ergeben, die es noch und noch heute gibt, dann ist es immer ein Zeichen, dass das Seelische zu stark in den Leib gebunden ist.
Und die Entwicklung des Menschen besteht darin, dass er aus dieser Leibgebundenheit des Seelischen sich befreit. Der Begriff der Freiheit kann man eigentlich nur beim Menschen stellen. Weil der Mensch in der Lage ist, sein Seelisches aus seiner Leiblichkeit zu befreien. Dass er nicht einfach nur so bleibt, wie er ist. Das wäre ja fürchterlich. Sondern der Mensch ist ein sich entwickelndes Wesen, und er hat ein Bewusstsein davon, dass wenn er sich etwas vornimmt und das auch wirklich ausführt, dann verwandelt er sich in seiner ganzen seelischen Konstitution. Durch sein Ich, durch seinen Geist.
Ich wollte das jetzt nur noch mal kurz anführen, um deutlich zu machen, dass das, was wir gestern betrachtet haben, zugrunde liegt der gesamten Bewusstseinsentwicklung der modernen Menschheit. Denn in der urindischen Kultur erwacht das Ich, sagte ich, in der ätherischen Organisation, in diesem Lebensleib.
Dieses Ich ist überall da, bei allen Naturwesen, aber nicht inkarniert, sondern im Umkreis. Und jetzt erwacht sozusagen im Menschen, in dieser urindischen Kultur, das Ich-Wesen, was ganz außerhalb des Menschen noch ist, erwacht und ergreift und individualisiert diese ätherische Organisation. Und die physische Organisation des Menschen wurde in vorvergangenen Zeiten, in der alten Atlantis, geformt – das ging dem schon voraus. Aber jetzt in der urindischen Epoche erwacht die Ich-Kraft des Menschen in einer noch sehr verborgenen Lebensorganisation, aber so, dass man sagen kann, dass der Mensch sich noch erlebt hat in einem träumenden Bewusstsein im ganzen Weltenumkreis. Er war noch vollkommen eingebettet in die kosmischen Rhythmen und hat eben aus diesem Bewusstsein heraus gelebt.
Und wenn wir dann übergehen von der urindischen in die urpersische Kultur, da erwacht jetzt das Ich, die Ich-Wesenheit erwacht im Empfindungsleib. Also da ist ja diese astralische oder Seelenorganisation des Menschen noch nicht differenziert, noch eine große gewaltige Einheit. Und auch diese Menschheit damals hat zwar nicht mehr ganz dieses träumende Bewusstsein gehabt, sondern auch das alte Hellsehen. Man muss wirklich sagen, die alten Inder zum Beispiel waren noch hellsehend in Bezug auf den ganzen geistigen Umkreis. Bei den Urpersern ist das schon langsam erlöscht – diese Kraft eines instinktiven Hellsehens, nicht bewusst, instinktiv, aber so hell, dass man eben noch Teil hatte an dem Wirkenden in der Natur, nicht an den Formen.
Wir heute als moderne Menschen schauen nur Formen. Wir sehen gar nichts anderes als Formen. Wenn wir die Pflanze anschauen oder ein Tier oder sonst was, wir sehen immer nur die äußere Gestalt. Aber das, was da Kraft in die Formen hervorbringt, schöpferisch schafft – das sehen wir heute nicht. Dazu müssen wir uns jetzt wieder denkend, fühlend und wollend hinbewegen. Das ist unsere eigene Zukunft. Aber in der Vergangenheit war das so, dass die Menschen in der Lage waren, das instinktiv zu können – instinktiv, nicht wachbewusst. Die waren noch eingebettet in den ganzen geistigen Umkreis um sie herum. Die lebten nur zur Hälfte in ihrem Leib. Die lebten mit ihrem Bewusstsein da draußen im Umkreis.
Publikumsfrage: Wäre das nicht ein Rückschritt?
Ja, in gewissem Sinne leben wir heute in einem Rückschritt. In einem gewissen Sinne. Aber in einem anderen Sinne leben wir in einem gewaltigen Fortschritt. Weil wir heute ein Bewusstsein der Freiheit haben. Das ist der Fortschritt. Aber im Übrigen ist es ein gewaltiger Rückschritt. Weil die Menschen damals in gewissem Sinne auf ihrem Gebiet und in damaligen Möglichkeiten viel fähiger waren als wir heute sind.
Publikumsfrage: Aber unbewusst.
Aber unbewusst. Halb bewusst. Also noch einverwoben, würde ich mal sagen, in das, was man das Geistige nennt. Was bei uns sich heute am deutlichsten ausspricht in unseren Gedanken.
Das Plastizieren des Seelischen und die Anthroposophie als Geisteswissenschaft 00:25:02
Dieser Empfindungsleib, der war noch so, dass diese Menschen damals in der Lage waren, aus ihrem eigenen seelischen, instinktiven Erleben heraus das Tier zu plastizieren. Das Seelische des Tieres zu plastizieren. Heute haben wir diese Fähigkeiten völlig verloren.
Man kann sich das hier nur im Bild klargemacht haben. Dass man sich sagt, da ist eine seelische Substanz, die in einem Tier inkarniert ist, und die droht sozusagen wild zu werden – droht ins wilde Tier abzusinken. Und jetzt habe ich die Fähigkeit, auf dem Wege dieses Absinkens diese seelische Natur des Tieres zu formen, zu plastizieren, zu verändern, zu verwandeln. Und das war eben die Fähigkeit, die insbesondere schon in dieser Zeit der urindischen Kultur angelegt war und jetzt fortsetzt in der urpersischen Kultur. Und dort eben die Möglichkeit geboten hat, dass der Mensch jetzt das Haustier zum Haustier gemacht hat.
Publikumsfrage: Welche Symptome führen zu dieser Interpretation? Es sind ja immer Symptome der Geschichte, die zu einer Interpretation über die Entwicklung des Menschen führen. Aber wir haben doch kaum Quellen aus dieser Zeit. Wie kommt man dazu, zu sagen, die Menschen vor 7.000 oder 9.000 Jahren hatten dieses Bewusstsein?
Das sind natürlich Ergebnisse der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Das kann man aus der reinen sinnlichen Wahrnehmung heute nicht ableiten. Naturwissenschaftlich lässt sich das so nicht sagen, das ist mal ganz sicher. Aber die Naturwissenschaften sind ja heute sowieso eigentlich an einen Punkt gekommen, wo sie sich eigentlich gar nicht mehr auf das einlassen, was ist. Sondern nur noch auf das, was man theoretisieren kann, was man modellhaft fassen kann und daraus irgendwo Technologien entwickelt. Das ist ja die Tragik der heutigen Wissenschaften, dass man eigentlich nicht mehr am Phänomen ist. Man studiert nicht mehr das, was man mit Augen sieht, mit Ohren hört, und dass man das mit einem frischen, nicht theoriebelasteten Denken versucht zu verinnerlichen. Das ist kein Weg mehr der Wissenschaft, leider Gottes.
Also deswegen möchte ich mal betonen: Das Wunderbare der Naturwissenschaft ist, dass sie den Menschen zur Freiheit geführt hat. Das ist ihre eigentliche Bedeutung. Dass der Mensch sozusagen ein freies Selbstbewusstsein entwickeln konnte im Hinblick auf das, was die Welt um ihn herum ist und auch gegenüber dem anderen Menschen. Aber sie bleibt eben immer an der Form stehen – denn was wir wahrnehmen, sind immer nur Formen, immer nur die Außenseite der Sache. Nicht das eigentliche schaffende Prinzip.
Und deswegen bedarf die Naturwissenschaft einer Ergänzung. Und diese Ergänzung ist die Geisteswissenschaft. Die Wissenschaft, die sich jetzt nicht nur auf das Phänomen des physisch Lebendigen, sondern auf das Ich-Wesen selber bezieht. Auf das Wesen, was denkt, was fühlt, was will.
Das ist ja auch die Tragik der heutigen Wissenschaften, dass sie völlig vom Menschen abzieht. Dass sie den Menschen als Erkennenden draußen vorlässt und nur guckt, was da draußen ist, und das eigene Bewusstsein nur dazu benutzt, um Theorien, um Modelle, um irgendein Verständnis dieser Außenwelt zu gewinnen. Lässt sich aber auch selbst als der Erkennende, als der Denkende, als der Fühlende, als der tätige Mensch – lässt man auch völlig außer Betracht.
Publikumsfrage: Platons Höhlengleichnis.
Und wenn wir dabei stehen bleiben, dann machen wir die Welt kaputt. Das ist ja der Prozess, in dem wir uns heute befinden. Dass wir Technologien entwickeln, die wir moralisch gar nicht mehr rechtfertigen können. Und viele Menschen stehen heute auf und sagen, wir wollen kein Glyphosat. Aber wenige, ganz wenige können überhaupt begründen, warum sie es nicht wollen. Instinktiv wacht in unserem Bewusstsein auf: Da ist irgendwas schief gewickelt, das führt uns in den Abgrund.
Und jetzt ist die Frage: Können wir mit den Mitteln der Erkenntnis, als denkende, fühlende und wollende Menschen, ein sicheres Urteil gewinnen, was eigentlich mehr die aufsteigende Entwicklung ist gegenüber der absteigenden? Und dazu verhilft uns die Anthroposophie, die anthroposophische Geisteswissenschaft.
Hier muss man studieren, wie man Mathematik studiert. Die Mathematik ist ja auch eine Geisteswissenschaft. Da studieren sie und dann merken sie, das ist alles schlüssig, was man in der Mathematik studiert. Und je mehr man aufsteigt von der Mathematik zur Geisteswissenschaft und studiert das wirklich, dann wird man bemerken, dass das alles mit allem zusammenhängt. Logische Zusammenhänge tun sich auf an einer höheren Ebene. Und die führen einen erst dazu, sich aus dem Materialismus wieder herauszuarbeiten.
Der Materialismus ist heute so gängig, dass er das Bewusstsein der Menschen systematisch vernebelt. Und jetzt müssen wir uns erwachen in diesem Nebel und versuchen, so Mensch zu werden, dass wir uns überhaupt erst wieder urteilsfähig machen – gegenüber nicht nur einer sinnlich-physischen, sondern auch gegenüber einer moralischen Welt. Und die Anthroposophie vermittelt eigentlich erkenntnismäßig die moralische Seite der Welt, während wir durch die Naturwissenschaft die sinnliche Seite der Welt erfahren. Und die müssen sich durchdringen.
Die Antworten muss man sich selber erarbeiten. Die kann man nicht durch irgendwelche Medien, durch Bücher oder so nur weitervermitteln, sondern man muss sich selber anstrengen. Man muss selber versuchen, sozusagen ins Ungewisse sich hineinzudenken. Und man merkt, dass das Ungewisse plötzlich auch einen höheren Grad von Gewissheit erzeugt.
Publikumsfrage: Wir betrachten da immer nur einen kleinen Ausschnitt der Welt. Waren das irgendwelche Hochkulturen, von denen man Nachlässe hat? Weiß man auch etwas über die Menschen, die in anderen Regionen gelebt haben?
Naja, sicher. Also es ist so, dass das, was ich hier jetzt geschildert habe, in Bezug auf die griechisch-römische Kultur oder die ägyptische oder chaldäische Kultur oder über die Urperser, das hatte immer erdumspannenden Charakter. So wie unser heutiges Bewusstsein als moderne Menschen in Europa geboren ist – so ist es nun mal –, aber es ist heute weltweit wirksam. Die ganzen Naturwissenschaften haben sich in Europa entwickelt, das ganze moderne Bewusstsein hat sich in Europa entwickelt. Und Schritt für Schritt ist es heute ubiquitär. Ob Sie nach Asien kommen oder wo auch immer – es gibt keinen Fleck Erde mehr, wo nicht auch dieses moderne Bewusstsein Platz gegriffen hat. Und so war es zu allen Zeiten, plus minus.
Urpersische Kultur: Kulturpflanzen aus dem Plastizieren des Lebendigen 00:35:13
In der urindischen Kultur erwacht der Mensch sozusagen, indem das Ich den Ätherleib individualisiert. In der urpersischen Kultur erwacht der Empfindungsleib durch das Ich, der Mensch empfindet jetzt das Geistige in sich, ganz umfassend noch, und kommt daraus in die Lage, die Kulturpflanzen zu züchten. Also nicht nur, dass man jetzt das Seelische plastiziert wie beim Tier, sondern das Ätherische, das Lebendige plastiziert in den Kulturpflanzen. Das ist eine unerhörte Fähigkeit in einer Zeit des Neolithikums, wo man Funde hat, die sich nur so ausnehmen – die Faustkeile, also die man in der Sahara noch und noch findet –, dass man meint, diese Kultur war so primitiv, dass sie geradezu gerade in der Lage war, so einen Feuerstein zu kloppen, sodass man irgendwas schneiden konnte.
Das ist ein Unbegriff – das ist ein typischer darwinistischer Begriff, den man eigentlich so nicht stehen lassen darf. Diese Menschen waren es, die die Kulturpflanzen gezüchtet haben. Die haben nicht den Stein plastiziert, die haben auch nicht mehr in diesem Sinne die Tiere plastiziert, so weit gewiss, dass sie Haustiere wurden, sondern die haben das Lebendige, die ätherische Organisation der Pflanze, vermocht zu plastizieren, zur Fruchtbildung.
Und es ist ein Phänomen, dass in dieser Zeit der urpersischen Kultur alle unsere europäischen und asiatischen Kulturpflanzen entstanden sind. Wir können heute keine Kulturpflanzen mehr züchten – als eine Züchtung aus einer Wildpflanze heraus eine Kulturpflanze zu machen, das können wir nicht. Sondern das konnten die damals. Stellen Sie sich das mal vor, dass alles Kulturgut, über das wir heute verfügen, aus dieser Zeit stammt.
Und in anderen Gegenden der Erde – also zum Beispiel die ganzen Nachtschattengewächse und Kürbisgewächse, der Mais – die haben sich wiederum in anderen Gegenden der Erde entwickelt, nämlich in Mexiko beziehungsweise in Südamerika. Aber auch in uralten Zeiten. Man spricht ja heute von Genzentren und ordnet die Kulturpflanzen diesen Genzentren zu, und das größte Genzentrum ist dasjenige des urpersischen Kulturbereichs.
Publikumsfrage: Haben Sie eine persönliche Hypothese, wie das Ausformen der Kulturpflanzen entstanden ist?
Ja. In der urpersischen Kultur galt das Prinzip von Licht und Finsternis. Ahura Mazdā, der Gott, der Sonnengott, und da unten unter der Erde, im Dunkeln, in der Finsternis, Ahriman. Das war die große Polarität, in der sich die Menschen empfunden haben. Das heißt, der Urperser lebte im Bewusstsein von Leben und Tod. Das war beim Inder noch nicht so ganz deutlich geschieden. Die lebten sowohl im Himmel wie auf der Erde, die alten Inder. Das drückt sich auch darin heute aus, dass der Inder immer so ein bisschen erdenflüchtig ist – er sehnt sich nach dem Nirwana, nach der geistigen Welt, der ewigen Welt, aus der er stammte. Und das hier, was um ihn herum ist, bloßer Schein, ist Maya.
Und aus dieser Fähigkeit der Urperser, nämlich Tod und Leben – das finstere da unten, das zerstörerische, das zum Tod dringende, und das lichtvolle, das lebensschaffende Prinzip –, das jetzt arbeitend an der Erde sich zum Erlebnis zu bringen, das ist das Wesen des Urpersers. Der hat wirklich die Gerätschaften in die Hand genommen, den goldenen Dolch, und hat seine Ritzen gezogen und hat jetzt Pflanzen kultiviert.
Und dieses Beherrschen des Todes ist die Grundlage der Kulturpflanzenbildung. Vorher ist es das Sprießen und Sprossen des Lebens. Und jetzt geht der Mensch her und ritzt die Erde auf. Und das ist ein Todesprozess. Jede Bodenbearbeitung, heute im modernen Sinne gesprochen, ist ein Todesprozess für die Erde, für den Boden. Das muss man einfach wissen. Wenn man das in das heutige naturwissenschaftliche Bewusstsein übersetzt, dann heißt das: Ich fördere mit jeder Bodenbearbeitung den Abbau der Lebenssubstanzen, des Humus. Ich fördere den mikrobiellen Abbau. Ich schaffe einen Todesprozess. Aber auf der Grundlage dieses Abbaus entsteht etwas Höheres – eben die Fruchtbildung in den Kulturpflanzen.
Auch wie im Obstbau: Wenn Sie heute im Obstbau gute Frucht haben wollen, dann müssen Sie den Obstbaum schneiden. Dann muss man an einer bestimmten Knospe den Trieb abschneiden. Und was passiert? Dann gibt es einen Saftstau. Ich muss also einen Todesprozess bewirken, indem ich Leben, den Trieb abschneide. Und dann bildet sich ein Saftstau. Und dieser Saftstau führt jetzt dazu, dass es Fruchtholz wird.
Und so ist es mit allem bei unseren Kulturpflanzen. Nur, dass wir die nicht unterwegs mal abschneiden wie beim Baum – bei der Einjahres- oder Zweijahrespflanze da haben die damals das Stauphänomen in den Organismus der Pflanze, in die Physiologie der Pflanze eingebaut.
Also stellen Sie sich mal vor – für mich ist es jedes Jahr ein Wunder: Da wächst jetzt zum Beispiel die Möhre auf dem Acker und bildet jetzt eine Frucht in der Wurzel unten. Die ist sogar gefärbt wie die Blüte, gelb, die hat Duft, die duftet, die hat Geschmack. Also wie wenn das jetzt eigentlich eine Blüte wäre. Da zieht man den Blütenprozess herunter bis in die Wurzel. Das ist die Kunst gewesen dieser Leute damals. Und dann staut sich das ein ganzes Jahr und füllt sich, diese Rübe der Möhre, immer mehr substanziell, stofflich, mit Aroma und mit Zucker. Es wird schmackhaft, es wird ein Produkt für die menschliche Ernährung. Und erst im nächstfolgenden Jahr wächst sie sich aus zur Pflanze und fängt an zu blühen.
Man merkt überall die Tendenz, dass sich etwas rundet. Und wenn sich etwas rundet in der Natur, ist es immer ein Hinweis darauf, dass hier das Seelische stärker wirksam wird. Und das ist eben die Kunst gewesen dieser Leute, dass sie aus ihrem eigenen empfindenden Vermögen in der Lage waren, Sternengesetze zu beherrschen in der Wirksamkeit im Lebendigen. Und daraus entstanden dann diese Rundlichkeiten der Fruchtbildung, die eigentlich gar nicht pflanzengemäß sind. Die Pflanze bringt es nur zum Holzapfel. Der ist bitter. Und da macht jetzt plötzlich so ein Riesenball, so ein Apfel, eine Birne oder sonst irgendein Obst, wo Fruchtfleisch entsteht, was für die Natur gar keine große Bedeutung hat, aber für die menschliche Ernährung die allergrößte Bedeutung.
Die ägyptische Kultur: Plastizieren des Toten 00:45:49
Jetzt schauen wir uns nochmal die ägyptische Kultur an, in Fortsetzung. In der urpersischen Kultur wird eigentlich das Astralische verwandelt, verändert, plastiziert – hier das Lebendige. Und wie ist es jetzt in der ägyptischen Kultur?
Die Ägypter haben all dieses Vermögen schon weitgehend verloren. Die konnten nicht mehr Pflanzen züchten. Die konnten so anbauen – die konnten das Ergebnis dieser Kulturerrungenschaft der urpersischen Kultur wunderbar einsetzen. Auch die Mesopotamier. Die haben das in gewissem Sinne zur Perfektion gebracht im Anbau in vorchristlicher Zeit, durch die Bewässerungskultur.
Aber was ist eigentlich das Neue? Was ist das eminent Neue? Diese Ägypter haben angefangen, die tote Natur zu formen. Die tote Natur zu plastizieren. Nicht mehr das Lebendige.
Gleich zu Beginn der ägyptischen Kultur stehen die monumentalsten Bauwerke auf Gottes Erdboden – die Pyramiden. Die sind nach wie vor die größten Bauten in der Welt, was die Masse angeht. Die Cheops-Pyramide, der größten überhaupt, in Gizeh bei Kairo. Das sind alles gefügte Blöcke von 1,20 m × 1,20 m. Mit einem Gewicht – das spezifische Gewicht dieser Steine wird vielleicht 2,2, 2,3 sein –, also man könnte sagen, das sind 3 Tonnen, ein so ein Stein. Was machen die? Die brechen die aus dem Steinbruch raus. Aus dem Toten der Erde brechen die raus. Und sind in der Lage, über den Nil hinweg diese Riesensteine zu verfrachten auf die andere Seite, um sie dann den Hang hoch zu schaffen und oben dann die Pyramide zu bauen. Und dann auch so zu behauen, so zu formen, dass ein Stein so am anderen haftet, dass man nicht einmal eine Messerklinge dazwischen kriegt. Und das sind 1,2 bis 1,4 Millionen solcher Steine in der Cheops-Pyramide ungefähr.
Was soll denn das? Man fragt sich ja, welchen Zweck hat denn das überhaupt gehabt? Nun, die Pyramide, um es mal anzudeuten, ist ja ein Gebilde, was sich jetzt in dieser Weise aufbaut über der Erde, als ein reiner Steinklotz. In reinster Geometrie – da stimmt jedes Maß so genau, wie wenn man es mit den modernsten geodätischen Geräten ausgemessen hätte. In genauester Ost-West-Richtung, Nord-Süd-Richtung ausgerichtet.
Jedenfalls hat man da versucht, das Physische der Erde entsprechend der im Irdischen wirkenden Gesetze hier in einem solchen Bau zu verkörpern. Man hat keine Kulturpflanzen mehr gezüchtet, auch die Haustiere waren fertig. Jetzt macht man solche Sachen.
Das ist ein rein geometrisches Gebilde, was so war, dass die Sonne, wenn sie am Morgen aufgegangen ist – Ra nannten sie in Ägypten diesen Gott –, die Strahlen auf diese östliche Seite der Pyramide fielen und die ganze Fläche gespiegelt hat. Die Fläche war so genau gearbeitet – da stelle ich mal vor, was das für große Flächen waren. Ursprünglich war es Kalk, später bei der Mykerinos-Pyramide war es dann auch Granit. So bearbeitet, dass die ganze Fläche einheitlich gespiegelt hat, ohne Untiefen oder so. Die ganze Fläche war so genau geschaffen, dass die Sonne, wenn sie aufgegangen ist, auf dieser Fläche gespiegelt hat, und wenn es Mittag wurde, hat sich an der hinteren Fläche gespiegelt, und am Abend im Sonnenuntergang dann eben an der Westfläche.
Und jetzt haben die Ägypter eben auch noch ein Bewusstsein gehabt: Das ist die physische Seite, die der Mensch da jetzt aus der Erde heraus geschaffen hat, und da gibt es aber auch noch eine geistige Seite. Es gibt eine geistige Pyramide, und die trifft sich hier oder gar durchdringt sich. Damit hat der Ägypter zum Ausdruck gebracht: Das physische, das sinnliche, das erfassbare und das übersinnliche, nicht erfassbare – dass sich jetzt hier an diesem Punkt gleichsam berührt oder gar durchdringt.
Wir sehen heute nur die Pyramide. Und der Ägypter, der hat das darüber gesehen, das Übersinnliche – das war noch Gegenstand seiner Wahrnehmung. Der konnte noch merken, die geistige Welt berührt die physische. Beim Urperser hatte man gemerkt: Ich arbeite mit dieser geistigen Welt, indem ich den Boden bearbeite, Pflanzen anbaue. Also der Ägypter hat diese Fähigkeit verloren, aber jetzt ahnt er noch, da ist eine geistige Welt, die berührt die physische – und das hat er in diesem Pyramidenbau zum Ausdruck gebracht.
Und selbstverständlich war dann diese Pyramide auch das Grab des Pharaos, des Priesterkönigs, dessen, der über den ägyptischen Mysterien stand.
Also das ist ein völlig neues Bewusstsein, was raufkommt. Jetzt einen Meißel zu haben und einen Hammer zu haben und jetzt das Tote zu bearbeiten, das Tote zu plastizieren. Nicht mehr das Lebendige, nicht mehr das Seelische, sondern das Tote. Und daraus ist dann die ganze ägyptische Kultur groß – und die Folge war eben, dass diese Kultur sich dann immer weiter metamorphosiert hat, aber immer war es der Stein, der Stein, der Stein, der bearbeitet worden ist. Bei den Mesopotamiern, da gab es wenige Steine, da gab es aber viel Schlamm. Und dann haben sie den Schlamm getrocknet, haben den gebrannt und haben damit ihre gewaltigen Bauwerke aufgerichtet – den Turmbau zu Babel, Babylon.
Josef und die Bewässerungskultur: Organismus im Naturwachstum 00:54:07
Und es waren die Ägypter und die Mesopotamier, die unglaubliche Technologien entwickelt haben im Hinblick auf die Bewässerungskultur. Da kann man endlose Geschichten erzählen. Aber vielleicht nur die eine mal erwähnen: Da gab es einen namens Yussuf – das ist der arabische Name für Josef. Und dieser Josef war einer der Jakobssöhne. Es waren zehn Brüder, und den Ältesten haben sie dann nach Ägypten verkauft. Das war der Josef.
Und dieser Josef hatte ausgesprochene, gewaltige Fähigkeiten. Er wurde zuerst Traumdeuter des Pharaos. Also der hat ihm ausgelegt den Traum der sieben dürren und sieben reichen fruchtbaren Jahre. Der Pharao wusste das nicht auszulegen und hat ihm gesagt, ja bitte, das ist das: Der Nil ist sieben Jahre unsicher in seinen Erträgen und sieben Jahre bringt er dann auch wieder reiche Frucht. Baut Vorratshäuser, um die Nöte dieser sieben trockenen Jahre zu überbrücken. Das haben sie gemacht und damit blühte die ägyptische Kultur nochmal neu auf.
Das war das eine. Aber dieser Josef hat außerdem noch einen Kanal gebaut, der heißt heute noch so. Von Mittelägypten führt er parallel zum Nil am südwestlichen Hang, mit einem geringeren Gefälle als der Nil, sodass er gerade etwas südöstlich von Kairo die Talschwelle überwinden kann. Und jetzt die Oase Fajum bewässern kann. Das ist etwa um 1900 vor Christus gewesen. Ein riesiges Ding, muss um die 500 Kilometer lang sein dieser Kanal. Und führt das Wasser in die Oase Fajum, das ist eine tiefe Senke und das ist heute die Fruchtkammer Ägyptens neben dem Nil-Delta.
Also verstehen Sie, was die da geleistet haben? Die haben das ganze Nilwasser in gewissem Sinne beherrscht. Die Überschwemmungen beherrscht, haben Kanäle gebaut und haben wirklich im Physischen der Erde gearbeitet. Und die Mesopotamier genauso mit Euphrat und Tigris. Aber keine neuen Kulturpflanzen, keine neuen Haustiere entwickelt.
Wenn man diese drei Kulturen zusammenfasst, dann gedeihen wir auf der Grundlage der Beherrschung des Wassers, in Verbindung mit der beginnenden Bodenbearbeitung. Es waren Bewässerungskulturen oder Wasserbeherrschungskulturen. Und zwar insbesondere von der urpersischen Kultur angefangen bis in die mesopotamisch-ägyptische Kultur hinein. Bewässerungskulturen in Erdlandschaften, wo die Natur durch sich selbst für die Fruchtbarkeit letzten Endes gesorgt hat.
Denn das klassische Beispiel ist der Nil. Da kamen jährlich die riesigen Überschwemmungen vom Blauen Nil und vom Weißen Nil. Die brachten ungeheure Mengen an Schwebstoffen – Humusteilchen, Tonteilchen, Feinsand. Und jede Überschwemmung hinterließ einen derartigen Auftrag auf den Böden, dass auf diesem Wege die Natur sich jedes Jahr wiederum regeneriert hat. Die Böden wurden juvenil gehalten, möchte ich mal sagen, mit jeder Überschwemmung.
Und man kann sagen, hier hat sich der Mensch bedient des Organismus im Naturwachstum. Das ist ein wunderbarer Begriff, den Rudolf Steiner im Landwirtschaftlichen Kurs damals erwähnt. Im modernen Sprachgebrauch nennt man das das Biotop. Im Biotop meint man, dass regional die Verhältnisse so wunderbar zusammenstimmen, dass naturhaft eine gewisse Fruchtbarkeit entsteht – in Schwarzerdegebieten oder in flussnahen Gebieten und so weiter. Und dieser Organismus im Naturwachstum, der war einfach da. Und der Mensch brauchte nur noch ein bisschen was dazuzutun und schon hatte die Kultur einen gesunden Boden.
Die griechisch-römische Kultur: Verstandessele und die Tragik der Plastik 01:01:45
Wenn wir jetzt übergehen in die griechisch-römische Kultur, wird das ein bisschen anders. Die haben sich ja entwickelt eigentlich in einem Gebiet, was nicht mehr ganz so toll war in Bezug auf den Organismus im Naturwachstum. Griechenland, wer es kennt, weiß, dass es nur ganz wenige Gebiete dort gibt, die wirklich von Natur aus fruchtbare Standorte abgeben, wie zum Beispiel die thessalische Ebene. Deswegen haben die Griechen ja auch sehr bald andere Standorte gesucht – im ganzen Mittelmeerraum, in Phönizien, dann in Nordafrika, Karthago, und dann vor allen Dingen auf Kreta und in Sizilien. Die Griechen waren ja die ersten, die sozusagen Satelliten-Siedlungen begründet haben.
Nun, diese Griechen haben die ägyptische Kultur in gewissem Sinne fortgesetzt auf einer unvergleichlich viel höheren Stufe. Die haben ja entwickelt jetzt die Verstandes- oder Gemütsseele. Die Gemütsseele hat noch eine andere Qualität als die bloße Verstandesseele. Heute üben wir in den Wissenschaften bloß die bloße Verstandesseele aus. Und die Gemütsseele ist auf der Strecke geblieben, weil die als subjektiv erklärt wird.
Die Verstandes- oder Gemütsseele hatte eine solche ungeheure Kraft, dass diese Menschen sich gelöst haben von den angestammten Standorten, fremde Länder besiedelt haben, ein Schifffahrtsvolk waren und sozusagen woanders die Nahrungsmittel nach Athen geschafft haben – waren die großen Händler geworden.
Aber was vermochten jetzt diese Griechen? Was ist nun ihr großer, gewaltiger, einzigartiger Kulturbeitrag? Das ist der griechische Tempel. Das ist die griechische Plastik.
Es ist nie wieder eine solche plastische Kunst in der Menschheitsgeschichte entstanden wie durch die Griechen. Das ist die höchste Stufe überhaupt. Wir können das nur noch nachahmen – schon die Römer haben nur noch das nachgeahmt. Die besten Plastiken, die wir heute noch haben, sind von den Römern nachgeahmt. Das ist nicht mehr das Original, sondern die Nachahmung des Originals. Die haben gar nicht mehr selbstschöpferisch Plastiken hervorgebracht, sondern haben nur noch die griechischen als das unerreichte Beispiel nachgeahmt.
Diese Fähigkeit, den toten Stein so zu plastizieren, als ob er lebendig wäre – das muss man mal erfahren haben. Gehen Sie mal nach Berlin, auf die Museumsinsel, und gucken sich da mal diese alten Griechenköpfe an, stellen sich mal daneben, neben so einen Kopf, und gucken die mal so an und sagen: Naja, guten Morgen, na, wie geht's, gut geschlafen? Da hat man so den Eindruck, der müsste eigentlich antworten. Das ist eine so unglaubliche Lebendigkeit in der Form, nur in der Form. Also wie wenn die Form selber aus sich selbst lebendig wäre.
Und so ist es auch mit den griechischen Tempeln. Warum faszinieren die so? Ein römischer Tempel fasziniert nicht mehr. Und was heute an Tempeln gebaut wird, Walhalla zum Beispiel in Bayern, das ist ein nichtssagendes Objekt. Aber so einen griechischen Tempel – ein Parthenon oder ein Paestum oder die ganzen Tempel unten in Südsizilien –, das sind Kunstwerke. Wenn man vor denen steht, dann fragt man sich: Was spricht da einen eigentlich so an? Da ist keine gerade Linie, so gut wie keine gerade Linie. Das ist die Basis des Tempels, die ist ganz leicht gekrümmt. Und da stehen die Säulen drauf.
Und das größte Wunderwerk der tragenden Säule des griechischen Tempels ist, dass die leicht nach innen geneigt ist und gleichzeitig eine Bauchung hat – und zwar eine Bauchung da, wo der Mensch, wenn er was auf dem Kopf trägt, die Last verspürt, nämlich hier im unteren Drittel seines Körpers. Da haben die Säulen eine leichte Bauchung. Und so ist der ganze Tempel nach den Maßen des Menschen gebaut. Der Tempel ist im Grunde genommen eine kunstvolle Ausgestaltung von Raum und Zeit nach den Maßen des Menschen. Und deswegen rühren einen diese Bauten so ungeheuer an, wenn man sie anschaut.
Nun, das muss man empfinden, das kann man kaum mit Worten rüberbringen. Und wenn Sie sich dann mit der griechischen Kultur weiter befassen und merken, dass da die größten Philosophen der Menschheit aufgetreten sind – die Philosophenschule von Athen, die Vorsokratiker, Sokrates, und dann eben die ganzen folgenden –, die haben den Gedanken geformt. Mit dem Verstand haben die die Begriffe geformt, in einer einzigartigen Weise.
Also was ist nun das Besondere dieser griechischen Kultur? Das ist eben die tote Plastik. Das Tote schön zu machen. Das Tote so zu formen, wie wenn es lebendig wäre.
Und wenn Sie diesen Gedanken jetzt wirklich mal innerlich auf sich wirken lassen, dann können Sie zu der Empfindung kommen: Über diese griechische Kultur liegt eine unendliche Tragik. So wie die Tragödie sich entwickelt hat im griechischen Schauspiel – dieses tragische Element liegt eigentlich über der ganzen griechischen Kultur.
Was wollten die Griechen eigentlich mit dieser Plastik? Das so schön zu machen, so göttlich schön zu machen. Sie haben versucht, dem Stein Form zu geben, die lebendige. Aber die vermochten nicht, der Substanz Lebendigkeit zu geben. Nur der Form – nicht dem toten Stein. Den konnten sie nicht verlebendigen, nur die Form.
Die Sehnsucht: Jetzt, wo das Seelische geformt worden ist, das pflanzlich Lebendige geformt, das Tote geformt worden ist, bis zu dem Punkt, wo sie es selber im Höhepunkt gebracht haben – ja, wie soll es jetzt weitergehen? Wenn das physisch Tote geformt ist, wie soll es überhaupt noch in der Entwicklung weitergehen? Wie kann ich die Substanz selber beleben?
Diese Frage steht meines Erachtens ganz im Hintergrund dieser ganzen griechischen Kultur. Und bei Platon war das am deutlichsten der Fall – eine Frage, wie kriege ich den Dreh, dass ich das Substantielle selber beleben kann.
Publikumsfrage: Die Griechen haben ja auch viele Sklaven gehalten, und nur deswegen kamen sie dazu, so viel Zeit in Kunst und Philosophie zu investieren. Wie ordnen Sie die Sklavenhalterei in die Geschichte ein?
Wenn Sie die platonischen Schriften lesen, dann finden Sie dort eine Rechtfertigung dafür, dass man Sklaven hat. Und für heutige Zeiten ist das natürlich eine völlig verdammenswerte Haltung. Dabei merken wir, dass wir uns selbst versklaven. Die moderne Menschheit versklavt sich in einer Weise, dass man in ein paar Jahrhunderten sagen wird: Wie kann man sich nur so versklaven, dass man sich auf dem Arbeitsmarkt verkauft. Das ist die moderne Sklaverei. Wir leben in einer Zivilisation, nicht in einer Kultur, in einer Zivilisation, wo die Menschen im höchsten Grade versklavt sind.
Das Problem des Sklaven im alten Griechenland war ein vollkommen anderes als was man heute unter dem Sklaven in diesem Sinne versteht. Die Griechen haben Fremdvölker, die man durch große Schlachten gefangen genommen hat, als Sklaven integriert und haben sie erzogen und haben sie dann freigelassen. Was da an späteren Perversionen auch in Erscheinung getreten ist, das ist eine andere Frage, bei den Römern ganz und gar. Aber dieses Problem der Sklaverei, das lebt sich in Metamorphose durch alle Zeiten hindurch fort.
Bei den Griechen liegt im Hintergrund dieses Gefühl vor: Die Welt ist an ihr Ende gekommen. Da geht es gar nicht mehr weiter. Im 5., im 4. Jahrhundert ist die größte Blüte der griechischen Kultur überhaupt. Und wie soll es jetzt noch weitergehen? Schluss aus.
Die Haustiere: Chronologie und Merkmale ihrer Entstehung 01:19:17
Nun möchte ich kurz noch wenigstens andeuten, dass im Zuge dieser ganzen Entwicklung sich einerseits unsere Kulturpflanzen entwickelt haben, aber andererseits eben auch unsere ganzen Haustiere. Und ich möchte wenigstens noch ein paar archäologische Belege erwähnen, von dem, was man heute herausgefunden hat.
In den Lehrbüchern findet man heute den Ausdruck des fruchtbaren Halbmondes. Und dieser fruchtbare Halbmond beschreibt die Zeit insbesondere der ägyptisch-mesopotamischen Kultur. Man sagt heute, alle unsere Kulturpflanzen, alle unsere Haustiere stammen aus dem fruchtbaren Halbmond. Das ist natürlich unrichtig. Tatsächlich sind unsere Rinderrassen und alle Kulturpflanzen Exporte quasi aus dem fruchtbaren Halbmond. Man hat nur eine Ahnung, dass es eine viel größere Dimension hat, insbesondere bis in die urpersische Kultur.
In Bezug auf die Tiere: Die meisten Haustiere sind eigentlich schon vor der urpersischen Kultur veranlagt – also menschennah, aber noch nicht in dem Sinne Haustiere, weil es noch die Sesshaftigkeit nicht in diesem Sinne gab. Aber da taucht sehr früh der Hund auf. Das weiß man heute, das ist das älteste aller Haustiere. Weil es ja als Hirtenhund in nomadisierenden Lebenszusammenhängen das entscheidende Moment war.
Und dann taucht an der Schwelle zur urpersischen Kultur, im ungefähr 8. bis 9. Jahrtausend v. Chr., auf: das Rind, das Schaf, die Ziege. Und auch noch während der urpersischen Kultur tauchen dann auf unter anderem die Biene, die Taube, die heute im vorderen Orient noch eine große Rolle spielt. Und dann gegen Ende der urpersischen Kultur, also um 4.000 v. Chr., taucht dann auf das Pferd, relativ spät. Das Pferd, der Esel, das Dromedar – das Wesentliche.
Also man merkt, dass obwohl der Mensch ja dem Tier sehr nahe war in diesen ganz frühen Zeiten, man jetzt sieht, wie sich aus der Tierheit heraus das Haustier entwickelt.
Das Haustier unterscheidet sich vom wilden Artgenossen – immer vorausgesetzt, dass es stimmt, was die heutige Wissenschaft sagt, dass es einen wilden Artgenossen gibt, dass die Hunde alle vom Wolf abstammen und so weiter. Man führt also immer irgendwo die Haustiere auf einen wilden Stammgenossen zurück. Die Rinder auf den Ur- oder Auerochsen. Die Schweine auf das Wildschwein.
Und so sieht man heute die Sache. Die haben sich eben allmählich durch Anpassungen an den Menschen, wie man sagt, darwinistisch gesprochen, durch Anpassungen allmählich zu diesen Haustieren entwickelt. Da gibt es die unglaublichsten Darstellungen, um das zu begründen. Da gab es einmal so nomadisierende Menschen, die haben sich zusammengesetzt, haben sich ein Feuer angemacht und haben ein Tier erlegt und das gebraten. Und dann saßen die da und haben die Knochen nach hinten geschmissen. Und das hat die Wildschweine und so weiter angelockt. Und dann kamen die immer näher an die Siedlungen heran und wurden dann langsam systematisch aus Wildschweinen die richtigen Schweine. So Ursache-Wirkungs-Gedanken, mit denen versucht man jetzt eine solche Haustierwerdung zu beschreiben. Ganz im Sinne von Anpassung und mit den primitivsten Gedankenformen, die man sich eigentlich denken kann.
Was unterscheidet jetzt eigentlich das Haustier vom wilden Artgenossen? Das Haustier zeigt eine viel größere Variationsbreite als der wilde Artgenosse. Viel, viel größere. Es ist dann unglaublich, wie wenn man auf dem Klavier plötzlich irgendeine neue Melodie erfunden hat. So eine Rasse nach der anderen innerhalb der Haustierarten entsteht in einer unglaublichen Variationsbreite. So bei den Rindern, so bei den Schafen, so bei den Ziegen, bei allen.
Und die unterscheiden sich jetzt dadurch, dass die Haustiere normalerweise alle kleiner sind als die wilden Artgenossen. Etwas kleiner in der Gestalt, und dann bis in den Knochenbau sind die verschieden. Bis in die Ausbildung des Beckens, die Ausbildung der ganzen Gliedmaßen, die Ausbildung des ganzen Brustkorbes, des Schädels. Die Verkürzung des Schädels ist ein wesentliches Merkmal der Haustiere. Beim wilden Tier ist die Tendenz, dass der Schädel sich verlängert, beim Haustier bleibt er etwas kürzer.
Und aufgrund solcher Erscheinungen kann man förmlich sagen: Das Haustier ist ein embryonal zurückgebliebenes Wildtier. Es hat ja auch eine längere Jugendentwicklung als das Wildtier. Es gibt Gazellen in der Wüste Gobi, die werden geboren und springen auf und sausen mit 60 Stundenkilometern nach vorne – da ist gar keine Jugendentwicklung mehr in dem Sinne. Und die Haustiere haben eine sehr viel längere Jugendentwicklung.
Und die Haustiere haben außerdem eine sehr viel stärkere Musterung ihres Fellkleides. Sie sind viel, viel stärker gemustert als die wilden Arten.
Und zeigen nun seelisch gesprochen dieses Grundphänomen, dass sie den Menschen nicht fliehen. Dass sie sich hin zu Menschen hinwenden. Und man das Gefühl hat, sie suchen die Abhängigkeit von Menschen. Sie geben ein Stück weit ihr eigenes Wesen auf, um sich ganz sozusagen in den Dienst des Menschen zu stellen.
Und so hat man festgestellt, dass die Gehirnmasse zum Beispiel bei den Haustieren zum Teil wesentlich geringer ist als bei den wilden Artgenossen. Beim Schwein um so 30 Prozent. Geringere Gehirnmasse. Man merkt wirklich, dass da ein Kunstwerk geschaffen worden ist in einer solchen frühen Kultur, wo man den ganzen Organismus total nochmal verändert, pazifiziert hat. In diesem Sinne aber von oben nach unten – aus dem Seelischen ins Lebendige bis ins Physische runter.
Und alle heutige Züchtung versucht immer von unten nach oben zu züchten. Von dem, was veranlagt ist im Erbstrom, also den Genen, von dort aus jetzt durch Genmanipulation oder durch künstlich herbeigeführte Mutationen irgendwas Neues zu schaffen. Man schafft nie was Neues. Man schafft nur eine Abwandlung des Bestehenden. Nichts Neues. Wir sind heute völlig außerstande, auf diesem Wege von unten nach oben irgendwas Neues zu züchten, sondern wir können nur das Vorhandene zerstören. Und das ist die große Frage, wie eigentlich die Pflanzen- und Tierzüchtung in Zukunft sich vollziehen soll – eine ganz zentrale Frage, vor der wir heute mehr denn je stehen.
Die Haustiere sind dadurch gekennzeichnet, dass sie sich den Menschen seelisch öffnen. Nicht verschließen und wegrennen, flüchten, sondern sich ihm zuwenden. Sie sind seelisch offen. Und dadurch haben sie auch eine ganz andere seelische Konfiguration. Wenn man mal mit Hunden umgeht oder mit Pferden, dann wird man das sehr schnell merken, wie auch individuell diese Haustiere sind – was dem Tier gar nicht zukommt, individuell zu sein –, aber die Haustiere haben einen höheren Grad von Individualität.
Publikumsfrage: Bedeutet das, dass Haustiere dann ein Ich besitzen?
Ja, also das ist eine schwierige Frage. Man könnte das grundsätzlich natürlich verneinen, und dann stimmt es auch wieder nicht ganz. Denn die Tatsache, dass die Haustiere sich dem Menschen zuwenden, sich seelisch öffnen gegenüber dem Menschen, schafft ein Verhältnis, was sie dann doch individualisiert. Herauslöst aus ihrem tierischen So-Sein.
Und das Interessante ist, dass im Landwirtschaftlichen Kurs von Rudolf Steiner davon gesprochen wird, dass die Kuh eine Ich-Anlage hat. Eine keimhafte Veranlagung im Ich. Und das ist ein ganz, ganz großes Rätsel. Und dass sich das ausdrückt dann auch in der Düngerkraft des Kuhmistes. Deswegen verwenden wir den ja bei dem Hornmist-Präparat, den Kuhmist bei der Herstellung des Hornmist-Präparates. Also da steckt diese Ich-Anlage drin und die hat Bedeutung für die Entwicklung des Pflanzenwachstums.
Und insofern muss man sagen, da ist was keimhaft veranlagt. Und das kann vielleicht auch herausgeholt werden. Je mehr einem Tier eine gute menschliche Pflege zukommt, desto mehr kann diese Ich-Anlage auch sozusagen wachgerufen werden – auch durch die Art der Fütterung, durch die Pflege, durch die Haltung, durch eine sachgemäße Züchtung, die auf das Wesen des Tieres eingeht. Bin ich ganz sicher, dass wir dieses, was da zart veranlagt ist, aber sich noch nicht naturhaft verwirklichen kann, durch den Menschen doch da gewisse Türchen geöffnet werden können. Und das ist bei den Haustieren, bei den klassischen Haustieren eben geschehen – dass sie überhaupt Haustiere geworden sind.
Also, ich tue mir leid, wir müssen hier abbrechen. Die Zeit ist dann längst wieder um. Ich muss morgen dann diese ganze vorchristliche Entwicklung abschließen und dann den Übergang suchen in die nachchristliche Entwicklung der Landwirtschaft, und dann werden wir uns dem Organismusgedanken immer mehr nähern.
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