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Hof als Organismus - 4. Folge von Manfred Klett, 2018
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Transkription Hof als Organismus - 4. Folge von Manfred Klett vom 11. Januar 2018

+++ es handelt sich um eine maschinelle Rohtranskription, eine Überarbeitung von Hand, Herz und Geist ist noch erforderlich. Gerne kannst du MitTun +++
Rückblick und Überleitung: Der Organismus-Gedanke in der Geschichte 00:00:36
Ich wünsche einen schönen guten Morgen!
Unser bisheriges Bemühen bestand ja darin, ausgehend von dieser Betrachtung über die Polarisierung von Industrie und Landwirtschaft, von da ausgehend jetzt den Organismus-Gedanken zu verfolgen, rückwärts in die Vergangenheit. Und dazu war es notwendig, überhaupt mal eine Art grundsätzliche Betrachtung des geschichtlichen Verlaufes der Menschheit seit dem Ende der Eiszeiten, also seit der urindischen Kultur, mal wenigstens kurz mit aller Bedingtheit zu charakterisieren und zu sehen, dass der ganze geschichtliche Verlauf der Menschheit eigentlich die Basis ist, auf der wir heute bewusstseinsmäßig aufbauen.
Wir stehen auf diesem Boden! Und so wie man in der Landwirtschaft selbstverständlich Kenntnis haben muss seines Bodens, den er da beackert, so müssen wir heute auch unser Bewusstsein entwickeln des Bodens, auf dem wir eigentlich mit unserem menschlichen Bewusstsein heute stehen. Also wir müssen ein bisschen eine Ahnung haben von dem, was wirklich vorausgegangen ist dem, dass wir heute so denken, so fühlen, so wollen, wie wir eben als moderne Menschen sind.
Der Goethe hat mal gesagt: Ich muss mindestens 3000 Jahre zurückschauen als Mensch, um meiner selbst bewusst zu werden im Hinblick auf das, was ich in der Zukunft tun soll. Man kommt gar nicht sonst in den sogenannten Entwicklungsgedanken hinein, was eigentlich Entwicklung, Evolution bedeutet.
Nun also, das war so ein bisschen der große Rahmen, und da haben wir uns nun zurückbewegt durch die verschiedenen Zeitalter hindurch bis in die urindische Kultur. Ich möchte diese Betrachtung jetzt heute nochmal kurz fortsetzen in diesem Sinne und dann aber den großen Schritt tun über die Zeitenwende in die darauf folgende Zeit und wie sich da jetzt dieser Organismus-Gedanke überhaupt erst langsam, langsam, langsam schrittweise herausentwickelt. Und aus dem, was ich genannt habe, den Organismus des Naturwachstums – also wo die Menschheit einfach noch gleichsam in Gegenden ihre Kultur entwickelt hat, wo die Natur selber die Grundlage geschaffen hat für diese Kultur.
Zwei große Völkerströmungen: Ackerbauer und Hirtenvölker 00:03:52
Ich möchte das Ganze nochmal, was ich da von verschiedenen Aspekten geschildert habe, jetzt nochmal zusammenfassen und hinschauen, wie diese Errungenschaften, also die Ergebnisse dieser ganzen Kulturentwicklung, wie die an bestimmte Völkerschaften gebunden waren. Ganz bestimmt, es war nicht so, dass jeder Mensch irgendwie da irgendwo Landwirtschaft betrieben hat oder in diesem Zusammenhang, sondern das war absolut gebunden, blutgebunden an Völkerschaften.
Und so haben wir in der vorchristlichen Entwicklung eine erste große Völkerströmung: Das sind die Ackerbauer. Das waren die Zarathustristen, das waren diejenigen, die wirklich diese zarathustrische Entwicklung durch die Zeiten hindurchgetragen haben – nämlich die Erde jetzt nicht nur da oben in die Sonne zu gucken und die Gottheit Ahura Mazdā sozusagen zu verehren, sondern die Erde zu ergreifen, die Erde umzugestalten, umzuwandeln. Und das sind die Ackerbauer. Die Ackerbauer sind eigentlich die Kain-Strömung.
Der Kain ist ja ein Repräsentant, der da im Alten Testament erwähnt wird mit seinem Bruder Abel, wobei der Kain derjenige ist, der nun der Menschheit eigentlich alles das vermittelt hat – so geht der große Mythos –, was zur Kunst führt, was künstlerische Ausübung ist, was Fantasie ist, wo der Mensch aus sich heraus schöpferisch wird. Die Wissenschaften sind eigentlich letzten Endes ein Ausdruck dieser Strömung, die von Kain ihren Anfang genommen hat.
Und Kain war der Bruder von Abel und hat seinen Bruder ermordet – so geht ja diese Geschichte in der Legende. Das sind alles Bilder, die man sich übersetzen muss.
Und dieser Abel war nun einer, der wiederum Repräsentant ist für eine bestimmte Strömung, die dann durch die ganzen vorchristlichen Hochkulturen hindurchgeht: Das sind die Hirtenvölker. Die nomadisierenden Völkerschaften seit Urzeiten. Und diese beiden Strömungen stehen absolut polar zueinander.
Wenn man hineinschaut in die Tiefen der Historie, da wird man immer wieder feststellen, dass diese beiden Strömungen sich feindlich gesonnen waren. Da, gerade in den frühesten Zeiten, fanden die Kriege immer zwischen diesen beiden Strömungen statt. Schon in der urpersischen Kultur war eine riesige Auseinandersetzung, die über 600 Jahre ging, zwischen den Persern, den Vertretern der persischen Kultur der sesshaften, Ackerbau treibenden Menschen, mit denen nördlich im Kaukasus, also in Kasachstan, in der Äußeren und Inneren Mongolei, diesen gewaltigen Völkermassen, die da oben lebten als Überbleibsel der voratlantischen, also der eigentlichen atlantischen Kulturen. Das sind die Mongolen. Und diese Auseinandersetzungen haben sich dann durch die ganzen Folgezeiten immer wieder, immer wieder aufs Neue gezeigt.
Jedenfalls diese Hirtenvölker sind diejenigen, die als Repräsentanten die Abel-Gestalt haben. Und das bedeutet, dass das alles ein rückwärtsgewandtes Bewusstsein ist. Jeder, der mit den Tieren sein ganzes Leben umgeht, sich so sehr mit den Tieren verbindet und gleichsam seine ganze Existenz gründet auf seine Herden, die um ihn herum sind – dass diese Völker die Eigenschaft haben, stärker introvertiert zu sein, stärker etwas zu bewahren, in die Vergangenheit hinein zu träumen oder diese zu repräsentieren in gewissem Sinne. Sie waren nicht die Gegenwartsmenschen, diese Hirtenvölker, waren rückwärts gewandt in ihrem Bewusstsein. Und auf der anderen Seite die Ackerbauer, die nun die ausgesprochen vorausschauenden, vorausdenkenden, vorauswirkenden Menschen waren.
Prometheus und Epimetheus: Ackerbauer und Hirten im Mythos 00:10:26
Nun, diese Ackerbauströmung, die wurde impulsiert im Wesentlichen eben dadurch, dass sie sich am schnellsten von ihrer göttlichen Führung abgelöst haben, dass sie sich freigeschwommen haben – der Versuch jedenfalls immer wieder neu, sich frei zu schwimmen, innovativ zu sein, auch sich selbst schöpferisch zu werden, sich nicht mehr bestimmen zu lassen von der Geisteswelt, die noch lange unmittelbar in die Menschheit eingegriffen hat.
Und ich weiß nicht, ob Sie das Gedicht von Goethe kennen, Prometheus. Das ist wirklich eines der bedeutendsten Gedichte, die meines Erachtens Goethe überhaupt geschrieben hat, in jungen Jahren, wo er das genau charakterisiert, dieses prometheische Element, das vorausschauende, das vorauswirkende, also sich nicht direkt darum kümmern, was die Götter alle sagen und so weiter, sondern: Ich bestimme mich als Mensch, fertig aus. Und ich suche in Selbstbestimmung meine Freiheit.
Das war sozusagen der eigentlich prometheische Mensch. Das Gedicht fängt ja so an, dass der Prometheus dem Göttervater Zeus, der oben auf dem Olymp sitzt auf seinem Thron, zuruft: „Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst, und übe, dem Knaben gleich, der Disteln köpft, an Eichen dich und Bergeshöhn! Musst mir doch meine Erde lassen stehn und meine Hütte, die du nicht gebaut, und meinen Herd, um dessen Glut du mich beneidest."
Er hat nämlich den Göttern das Feuer gestohlen, der Prometheus, das Feuer sozusagen auf die Erde gebracht. Das heißt, dass der Mensch aus sich selbst heraus geistig sich befeuern lernt. Da hat er sich sozusagen an den Göttern verschuldet.
Das ist die Stimmung, die Stimmung, die dann so weitergeht: „Als ich ein Kind war, noch wusste ich, wo aus noch ein, erhob ich mein verirrtes Auge zur Sonne, als ob drüber wär ein Ohr, zu hören meine Klage, ein Herz wie meins, sich des Bedrängten zu erbarmen... Ich dich ehren, wofür?" – Also es ist ein tolles Gedicht.
Jedenfalls: Das Kennzeichen des Prometheikers – und der Ackerbauer ist von Haus aus, von Natur aus ein Prometheiker. Er ist ein vorausstrebender Mensch. Er hat Power, sozusagen würde man heute sagen. Der möchte mehr als er kann, und schafft Zukunft, ist risikofreudig, immer sozusagen ein Schritt voraus in der Entwicklung.
Und die Hirtenvölker sind repräsentiert durch die Gestalt des Epimetheus, des Bruders von Prometheus in der Legende, im griechischen Mythos. Der Epimetheus ist der Nachdenkende. Prometheus heißt Vorausdenken, Epimetheus heißt Nachdenken. Der ist ja eigentlich derjenige, der sozusagen das Gewordene nachdenkt, sogar in aller Gemächlichkeit, und versucht jetzt zu bewahren, zu bewahren, zu bewahren, was an göttlicher Schöpfung da ist. Er ist derjenige, der eben mit der Tierheit umgeht. Und er ist derjenige, der jetzt den Göttern opfert, das Tier – das Rind in der Regel, interessanterweise. Und die Götter nehmen das Opfer an, sie begnaden immer wieder den Abel in allem, was er erstrebt. Aber das ist noch eine göttliche Führung sozusagen, das ist nicht innovativ aus dem eigenen Ich herausgestaltet, sondern er bewahrt Vergangenheit. Das ist der epimetheische Mensch, derjenige, der eben diese besondere Beziehung zu den Tieren hat und versucht, aus deren Wesen heraus die Natur zu ihm sprechen zu lassen.
Deswegen spielt die Tierhaltung früher in den Mysterien, in den ganzen frühen Zusammenhängen eine ganz große Rolle im Hinblick auf die Hellsichtigkeit der Menschen. Das ist der Grund, warum zum Beispiel die ägyptischen Götter allesamt irgendwo auch in Tiergestalt abgebildet worden sind. Die höchste Göttin Ägyptens, die Hathor, die wird dargelegt – die Himmelsgöttin, über den ganzen Himmel hinweg –, diese Göttin Hathor war eine Kuh und hatte Hörner, und zwischen den Hörnern war die Sonnenscheibe, so wurde sie immer wieder abgebildet. Also für diese Zeiten hatte das Tier noch eine ganz andere, sakrale Bedeutung, als das Nutztier für uns heutige geworden ist.
Persönliche Begegnung: Maasai und Bantu in Ostafrika 00:15:54
Also das sind die beiden großen Strömungen, und ich möchte da kurz eine ganz kleine biografische Bemerkung einflechten. Das Schicksal hat bewirkt, dass ich in Afrika aufgewachsen bin, in Tanzania in meiner frühesten Kindheit, am Kilimanjaro, und habe da noch erlebt diesen Urgegensatz in reinster Kultur. Denn es gibt ja durch die ganze Menschheitsgeschichte immer wieder sogenannte zeitversetzte Kulturen. Zeitversetzt, das heißt: Was früher mal allgemein in der Kulturentwicklung als ein Entwicklungshöhepunkt erreicht war, das verschwindet und neue Kulturen tragen die Entwicklung weiter. Und von dem, was ursprünglich mal da vorhanden war, lebt dann in einzelnen Völkerschaften nahezu unverwandelt weiter bis in die Gegenwart.
Und so sind die Völkerschaften in Afrika ganz stark geprägt davon, von diesen urvergangenen, vorchristlichen Entwicklungsimpulsen.
Und da gibt es also in Ostafrika die sogenannten Maasai. Den Namen haben Sie bestimmt auch schon gehört. Die Maasai, die damals noch wirklich ihre alte, uralte Kultur ungehindert weitergepflegt haben, die waren Hirten. Ein richtiges Hirtenvolk. Hochgewachsene Gestalten, also 1,90 m war selbstverständlich bei denen so ungefähr. Wunderschöne Gesichter, ganz ebenmäßig. Sie waren Hamiten. Die Maasai sind Hamiten, also ebenso wie die Vertreter der alten ägyptischen Kultur.
Und was haben die gemacht? Wenn man einem solchen Maasai plötzlich begegnete, da stand so ein Mensch in der Steppe, völlig aufrecht, Kopf und den Blick weit, weit in die Ferne gerichtet. Er hatte in der einen Hand seinen Büffellederschild und in der anderen Hand seinen Speer. Und hatte so ein Tuch um sich herum geworfen. Das war's. Und so schaute er Stunden und Stunden und Stunden, völlig ruhend in sich selbst, bei praller, sengender Sonne, um sich herum seine Zebu-Herde, die sich um ihn herangedrängt hat, denn da drüben war der Löwe und da der Elefant und da waren die Büffel – in dieser Wildnis lebte der mit seinen Zebu-Herden, die ganz dicht an ihn herangedrängt waren. Und wenn er einen Schritt machte in der Steppe, dann folgte ihm die ganze Herde mit. Mensch und Tier wie eine Einheit. Der Mensch erweiterte sich, seine Wesenheit, in die Tierheit hinein. Das war eine vollkommene Identität.
Diese Menschen, die Maasai, ernährten sich von der Milch und dem Blut ihrer Tiere. Die haben so gut wie kein Wildfleisch gegessen. Überhaupt nicht. Also Jagen, das war nicht ihre Sache. Die haben nur gejagt, wenn ihre Herden angegriffen worden sind, von Löwen oder so. Das Blut haben sie am Hals abgezapft, gemolken, die Milch gemischt, und das war ihre Nahrung. Und dann haben sie noch als Diätetikum ein paar Würzelchen gegessen, die sie genau kannten, von welchen Pflanzen – einfach notwendig, um diese einseitige Ernährung auszugleichen.
Und wenn man sich einem solchen Maasai genähert hat, dann hat er sich noch nie die Mühe gemacht, den Kopf herumzudrehen. Und wenn schließlich jemand nahe kam, dann hat er einen ganz vornehmen Gruß gemacht. Das war es. Kein Wort, nichts. Schweigend. Diese Menschen lebten in einem Bewusstsein – man sah es ihnen an, man sah es den Augen an –, die lebten in einem Bewusstsein, das ganz rückwärts gewandt war, zu den Ahnen. Sie lebten rückwärts in ihrer eigenen Entwicklung, in den Ahnenstrom zurück. Sie waren alle hellsichtig. Die letzte Hellsichtigkeit, die es noch auf Erden gab, hatten die Maasai in Afrika. Also abgesehen von den Buschmännern weiter südlich noch.
Im Ersten Weltkrieg übrigens – der ja zwischen Deutschland und England in Tanzania sich abgespielt hat –, haben beide Seiten, die Engländer wie die Deutschen, die Maasai geholt, um sie als Kundschafter auszuschicken, weil die genau wussten, wo der Feind steckt, da in diesen weiten afrikanischen Landschaften.
Also, das war der Maasai. Völlig bildungslos, suchte gar keine Bildung, wollte überhaupt nichts lernen. Er war sich selbst, weil er ja in dem Ahnenstrom weit in die Vergangenheit zurück sich erlebte. Die Ahnen waren es. Und er war nur die Fortsetzung dieses ganzen Ahnenstroms.
Und wenn man dann von so einem solchen Maasai ein paar Kilometer weiterzog, dann kam man plötzlich an irgendeine kleine Ansiedlung von 10, 12 solchen Rundhütten an. Und kaum näherte man sich einer solchen Ansiedlung, dann flogen sämtliche Türöffnungen auf, und Jung und Alt strömten heraus auf einen zu, mit lachenden Gesichtern. Die lachen gerne, die Bantu sind das nämlich. Die lachen den ganzen Tag, unglaublich, also jugendfrisch könnte man sagen. Und gehen auf einen zu und fragen: Was gibt es Neues in der Welt? Und möchten das Neueste vom Neuen hören. Und die waren die Ersten, die in Tanzania damals in die Schulen gegangen sind. Die wollten lernen, lernen, lernen, lernen.
Und das sind eben diese beiden. Das ist der Maasai und das ist der Ackerbauer. Denn was haben die Bantu gemacht? Die waren sesshaft in ihren Hütten. Gut, vielleicht hatten die ein Ziegenhäufchen. Aber sonst haben sie sich rein und ausschließlich mit den Pflanzen beschäftigt. Sie waren Pflanzenbauer, Ackerbauer, Gartenbauer. Es war eine Hackkultur – es war keine Pflugkultur wie im klassischen Persien, wo man Getreide angebaut hat. Die kannten Getreide so gut wie nicht, sondern die haben eben die verschiedensten Gemüse kultiviert. Eine Hackkultur. Und dadurch ein ganz anderes Bewusstsein – vollkommen wach und hell. Und da bei den Maasai ganz, ganz weit in die Vergangenheit gerichtet. Das muss man einmal erlebt haben.
Vier Strömungen des Landbaus und die Zeitenwende 00:24:22
So und diesen beiden Strömungen nun gesellte sich noch eine weitere, die sich herausgegliedert hat aus dem Ackerbau. Das waren die Gartenbauer. Die Gartenbauer sind diejenigen, die jetzt nicht Getreide angebaut haben, die nicht im Feldmaßstab irgendwas angebaut haben, sondern sie haben die einjährige Pflanze kultiviert und gezüchtet. Also alles, was Gemüse ist, was herausgezüchtet ist aus den Kräutern, aus der wilden Natur – daraus haben sie die ganzen Gemüsepflanzen entwickelt.
Noch in Pahlavis Zeiten, also Anfang der 70er Jahre in Persien, gab es noch die Zarathustristen, so nannten sie sich, und das waren die Gartenbauer. Das waren diejenigen, die durch Generationen im Erbstrom – denn diese Fähigkeiten haben sich im Erbstrom weiter vererbt –, die jetzt das Gemüse und eben alles an Kräutern und Blumen, die ganze Stadt Teheran versorgt haben. Das war eine nahezu ungebrochene Tradition über Jahrtausende.
Also der Beruf hat sich da absolut blutgebunden an Völkerschaften entwickelt – entweder man war Hirte und blieb Hirte, und zwar von Generation zu Generation, und genauso gut Garten- oder Ackerbauer.
Dann hat sich noch eine zweite Strömung herausentwickelt – das sind die Holzbauer oder eben die Obstbauer. Die Gartenbauer haben die ein- oder zweijährige Pflanze kultiviert, und die Obstbauer die Dauerpflanze, die Holzpflanze. Die haben sich parallel aus dem Ackerbau herausentwickelt, innerhalb der urpersischen Kultur. Sodass wir sagen können: In dieser vorchristlichen Zeit haben wir es mit vier Strömungen des Landbaus zu tun, gebunden an Völkerschaften, gebunden an den Erbgang. Das wurde von Generation zu Generation weitergeleitet.
Man weiß es aus Schilderungen von Columella – das ist ein lateinischer Schriftsteller aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Der beschreibt noch die Kunst des Obstbaus und die Kunst des Obstschnitts. Er beschreibt es so, dass er sagt: Es konnte nicht irgendjemand jetzt die Bäume schneiden, das war ganz undenkbar. Sondern nur bestimmte Familien, die in ewiger Tradition aus der Vergangenheit diese Fähigkeit hatten, sachgerecht einen Obstbaum zu schneiden. Das konnte man nicht einfach lernen, wie man heute sowas lernt, sondern das war vererbt. Die Fähigkeiten gingen im Erbstrom weiter. Aber dann in einem solchen Sinne, dass man sagen kann: Das war zugleich eine Maßnahme der Züchtung, der Obstbaumschnitt. Es war nicht nur darum, möglichst viel Fruchtholz zu schaffen, sondern es war so, dass man eigentlich immer das Wesen des Baumes ganz innerlich erlebt hat. Und dann gesehen hat: Wie muss ich diesen Baum, wie jenen Baum schneiden – die Kunst des Obstbaumschnitts. Im Erbgang wurde das weiter vererbt. Übrigens, die Fähigkeiten gingen noch bis ins 15. Jahrhundert hinein. Da war der Obstbaumschnitt gebunden an bestimmte Familien, die das einfach konnten.
So, und jetzt entwickeln sich diese vier Strömungen in diesen vorchristlichen Hochkulturen, nähern sich immer mehr dem an, was man dann das Mysterium von Golgatha nennt, oder heute neutral gesprochen: die Zeitenwende.
Tiefe Verzweiflung und Prophetenerwartung: Die Stimmung der vorchristlichen Zeit 00:29:06
Und jetzt ist die Frage, nachdem die ägyptische Kultur sich weitgehend entwickelt hat, die mesopotamische Kultur, bis ins griechische hinein – da war die Frage, wie sollte das überhaupt weitergehen? Läppert sich das einfach nur so weiter in alle Zukunft, was da veranlagt worden ist durch diese großen geschichtlichen Ereignisse?
Und wenn wir diese Zeit, sagen wir mal, des ersten Jahrtausends vor Christus ins Auge fassen, dann ist es ja die Zeit, wo dann insbesondere die griechische Kultur sich entfaltet. Seit dem 747, der Gründung von Rom, also das ist ungefähr der Anbeginn, aber das hat sich vorbereitet. Denn alle die Griechen, die vor Troja standen, das war im 12. vorchristlichen Jahrhundert – da war noch eine gewisse Richtung in der Kultur gegeben. Aber die griechische Kultur wurde schon im 2. vorchristlichen Jahrhundert von den Römern überrannt und wurde zerschmettert, und da blieb nicht mehr viel übrig.
Insgesamt, wenn man hineinleuchtet in die ganze historische Entwicklung, dann wird man bemerken, dass die Menschen zweierlei Seelenverfassungen gezeigt haben in vorkristlicher Zeit. Die eine war eine tiefe Verzweiflung. Und die hat sich gesteigert, immer weiter, immer weiter. Wie soll es weitergehen in der Welt? Was sind denn noch Zukunftsaussichten? Wo streben wir denn überhaupt noch hin? Gibt es überhaupt noch Antworten auf die in uns jetzt rege werdenden Fragen? Eine tiefe Verzweiflung, der Zweifel überhaupt, kam auf. Das ist die eine Strömung, das waren ganz moderne Menschen.
Und auf der anderen Seite waren es diejenigen, die man nennt die großen Propheten. Die Propheten, die in der Folge von Moses, der um 1200 vor Christus gelebt hat, in der Folge auftreten, so vor allen Dingen im 5., 6. vorchristlichen Jahrhundert, und die jetzt ihrer Zeit mitteilen: Es kommt ein Ereignis, wo der Hoffnung wieder neuer Raum gegeben wird. Es kommt ein Ereignis.
Und diese Strömung, die sozusagen die Anhänger jener großen Propheten waren, die lebten in einer tiefen Erwartung. Also es sind zwei auch wiederum gegensätzliche Seelenhaltungen zu sehen in dieser vorchristlichen Zeit. Auf der einen Seite eine unendliche, grenzenlose Erwartungslosigkeit – nicht zu wissen, wie es überhaupt weitergehen soll –, und auf der anderen Seite diese ganz große Sicherheit.
Und die Propheten haben ja bis ins Detail sogar hingewiesen, was da sich abspielen kann. Da braucht man nur das Alte Testament mal lesen. Was ein Jesaja wirklich gesagt hat – 500, 600 vor Christus – im Hinblick auf das Kommende. Und so gab es eben wirklich, insbesondere bei den Israeliten war das am stärksten ausgebildet, diese Erwartungshaltung, dass ein Ereignis eintreten wird, was alles das löst, was unser Problem geworden ist in der Menschheitsentwicklung.
Und dieses Ereignis ist ja dann eingetreten. Es ist eingetreten nämlich in der Jordantaufe. Es ist ja so, dass man das ja heute sagt, das Jahr Null, die Zeitenwende, ist eben die Geburt des Jesus von Nazareth. Das ist ein Mensch. Und dieser Mensch hat eine ganz bestimmte Generationsfolge, über 42 Generationen seit Abraham. Die werden im Matthäus-Evangelium auch genannt, diese ganze Generationenfolge. Also da ist ein Mensch geboren aus diesem ganzen geschichtlichen Verlauf seit Abraham.
Aber das, was dann im eigentlichen Sinne das Mysterium von Golgatha ausmacht, das ist, dass da jetzt in diesen Menschen sich hinein inkarniert, im Jahr 30 bei der Jordantaufe, die eigentliche Christuswesenheit. Diese Wesenheit hat dann drei Jahre gelebt, mit den zwölf Jüngern durch die Gegend gezogen und ihre Lehre – Lehre war es ja eigentlich gar nicht – unter die Menschen gebracht, und dann den Kreuz des Todes gestorben.
Diese Individualität, um die es da geht, das ist dieselbe, darauf weist die Anthroposophie hin, die die alten Inder schon gekannt haben in der urindischen Kultur. Sie haben sie Vishwakarman genannt. Das war die höchste Sonnenwesenheit, die die alten Inder verehrt haben. Und das ist dieselbe Wesenheit, die dann die Urperser verehrt haben als Ahura Mazdā. Und es ist dieselbe Wesenheit, die die alten Ägypter in der folgenden Kultur verehrt haben als Osiris. Und diese selbe Wesenheit erscheint jetzt hier in der Zeitenwende als der Christus.
Also das ist heute ungeheuer stark vermenschlicht. Man schaut, war das ein bedeutender Mensch und so, und dann tut man sich immer in Relation zu diesem bedeutenden Menschen setzen und findet dann am Ende ihn gar nicht so furchtbar bedeutend, sondern vielleicht sich bedeutender.
Publikumsfrage: Die urindische Kultur, von der Sie reden – sind das die Veden?
Ja, die Veden weisen darauf hin. Das ist der letzte schriftliche Ausklang aus dieser Hochkultur, die ja selber keine Zeugnisse aus der Zeit hinterlassen hat. Die erst Jahrhunderte, eigentlich Jahrtausende später aufgeschrieben worden sind. Die Veden sind wahrscheinlich aufgeschrieben um das Jahr 1200 v. Chr. Dazu braucht es ja auch eine Schrift, und die ist ja erst in der mesopotamischen Kultur aufgetaucht. Und ich habe ja auch schon gesagt: Wenn irgendwas zu Ende kommt, wenn es tot wird, wenn es abstirbt, wenn es eigentlich nicht mehr schöpferisch wirkt, dann wird es aufgeschrieben. Dann müssen wir aus den toten Buchstaben das Feuer wieder rausschlagen, um verstehen zu lernen, was da eigentlich an tieferen Impulsen wirksam gewesen ist. Es sind die Veden und die Bhagavad-Gita.
Das Christusereignis und das Ich-Erwachen der Menschheit 00:39:31
So sehen wir: Der Mensch ist sozusagen herabgestiegen, aus einem Himmelsbewusstsein, über die urpersische Kultur, die ägyptische, die mesopotamische Kultur, bis zum Griechentum, immer mehr erwacht in seinem Ich, in seinem eigentlichen Wesenskern. Das ist der Wesenskern, der im Menschen der Ewigkeitskern ist. Wir sind zwar völlig zeitgebunden in unserer ganzen Inkarnation hier auf Erden – wir werden geboren, wachsen heran und sterben irgendwann mal. Aber der Wesenskern, der ist unzerstörbar.
Das war das Bewusstsein von den urindischen Zeiten an durch alle Zeiten hindurch, und nur im modernen Materialismus ist heute sozusagen das Bewusstsein von dieser Tatsache völlig verschwunden. Dass der eigentliche Wesenskern des Menschen, das was den Menschen zum Menschen macht, der, der er ist, dieser Wesenskern ist unzerstörbar, der ist unvergänglich, der gehört der Ewigkeit an.
Und diese Wesenheiten, die die Menschheitsentwicklung begleitet haben und es möglich gemacht haben, dass diese Kulturfortschritte innerhalb der Menschheit in Bezug auf die Ich-Entwicklung stattgefunden haben – dass der Mensch ein schlafendes Bewusstsein hatte, wie in der urindischen Kultur, dann ein träumendes, und dann immer mehr erwachtes –, im Griechentum steht dann plötzlich ein Aristoteles da und tut den Geist in Begriffe hämmern. Plötzlich tritt ein Mensch auf und kraft seines Denkens tut er den ganzen Geist in ganz wenige Begriffe prägen. Und da ist der gesamte mysteriöse Inhalt der Welt drin. Das ist Aristoteles.
Man muss wirklich versuchen, mal klarzumachen: Die Menschen waren nicht damals so wie wir heute, nur primitiver. Das ist ein Ungedanke, ein richtig gehender Ungedanke. Sondern die hatten Fähigkeiten, die wir heute nicht mehr haben, auf ihrer Stufe des Bewusstseins. Sonst hätten die nie die Kulturpflanzen entwickeln können. Wir können heute aus einer Wildpflanze ohne Weiteres durch Gentechnik oder irgendwelche Manipulationen keine neue Kulturpflanze schaffen. Wir schaffen Karikaturen, ja, aber nicht etwas wirklich prinzipiell Neues. Sondern das waren Fähigkeiten dieser Menschen, aus dem erlebten Geistigen heraus, aber mehr in einem traumhaften Bewusstsein, solche Schöpfungen aus der lebendigen Natur entstehen zu lassen.
Und diese Strömungen nähern sich jetzt hier diesem Zeitpunkt an, wo dieses Ereignis stattfindet. Die ganze Entwicklung bis hierher diente dem Ziel, wie es eigentlich in Aristoteles verwirklicht ist, dass der Mensch erwacht in seinem Denken am Geist. Dass der Geist nicht mehr sozusagen träumend von außen den Menschen verhilft, dass sie Kulturpflanzen züchten oder tolle Leistungen erbringen in der Architektur, in der Malerei, in der Musik, in den Künsten. Sondern dass da jetzt ein Mensch steht und fasst das Ganze in Gedanken zusammen. Und zwar so zusammen, dass heute noch die Menschheit zehrt von dieser aristotelischen Philosophie, die so exakt ist, dass je mehr man sich auf sie einlässt, man merkt: Der war so modern, wie wir heute noch nicht einmal modern sein können.
Also wir sehen, dass hier eine sehr ambivalente Situation am Ausgangspunkt steht und jetzt ein Ereignis stattfindet, was man eigentlich gar nicht begreifen kann. Und was die damalige Menschheit auch nur ahnend, meistens aus ihren alten Traditionen heraus, eben durch die Propheten und dergleichen, zu bestätigen versuchte – dass da etwas ganz Neues hervorgetreten ist. Und seit jetzt über 2000 Jahren sind wir damit beschäftigt, im Grunde genommen dieses Ereignis zu begreifen.
Und wir begreifen es eigentlich noch nicht wirklich. Es sei denn, man begreift sich selbst. Man lernt sich selbst als Mensch zu begreifen. Dann fängt das plötzlich an zu sprechen.
So haben wir immer den Eindruck gehabt, es bedarf irgendwelcher Institutionen, also Kirchen oder so, die diese Traditionen pflegen des Christentums. Das ist alles – jetzt sage ich, also bitte in Anführungsstrichen – alles vorbei. Sondern wir müssen die Kirche in uns selbst bauen. Jede und jeder Einzelne für sich. Und welche Kirche ist das eigentlich? Das ist das Ich. Das Ich-Erwachen. Das Erwachen zu sich selbst. Sich selbst bestimmen wollen, in Freiheit.
Aber allein als Prometheiker geht es nicht. Es muss gleichzeitig auch ein Epimetheiker in mir stecken, der die Vergangenheit realisiert, damit ich sozusagen vorausschauend denken kann. Der Mensch findet in sich die gesamten moralischen Quellen, wenn er sie sich nur erschließen will. Er findet in sich alles das, was ihn befähigt, neue Tugenden zu entwickeln. Ein neues soziales Leben zu begründen.
Und wenn man jetzt in die Landwirtschaft eintreten will, nach der Lehre, und will irgendwas machen: Alleine können Sie es nicht, merken Sie sehr bald. Also muss man sich irgendwie mit anderen Menschen zusammentun. Und dann fängt es an. Das ist eine Herausforderung, die wir heute schier nicht bewältigen. Und doch müssen wir es bewältigen. Es steht vor uns als eine historische Zeitforderung der Zukunft. Aber dazu müssen wir moralische Quellen in uns erschließen, die uns selbstlos machen. Im besten objektiven Sinne – nicht so, dass man sich quasi erniedrigt und nur den Menschen dient so wie ein Diener. Nein, bei beiden Füßen stehen als Individualität und in Freiheit mit dem anderen zusammenarbeiten. Da fängt eigentlich das Christentum erst an zu blühen.
Benedikt von Nursia und die Grundlegung des abendländischen Landbaus 00:54:47
Es soll jetzt noch meine Aufgabe sein, einmal hinzuschauen, wie haben sich nun diese vier Strömungen der Menschheit in der nachchristlichen Entwicklung gespiegelt? Ist da ein Zusammenhang zu sehen?
Da muss man lange warten. Das ist ja erst das Urchristentum, das dauert ungefähr 200 Jahre. Christenverfolgungen, alle diese furchtbaren Sachen, die da stattgefunden haben. Und noch keine wirklich sichtbare äußere Verwandlung. Sondern dieses Urchristentum war im Wesentlichen eigentlich mehr ein introvertierter Prozess, historisch gesprochen – mehr dass die Menschen sich vergewissert haben dieser Tatsache, die sich da jetzt vollzogen hat in Palästina. Es war eine Art innere Vergewisserung. Bis dahin, dass sie sich dem Cäsar gegenüber nur hingestellt haben und gesagt haben: Nein, ich stehe zur Sache. Und dann wurden sie den Löwen vorgeworfen in der Arena in Rom. Das war die Antwort. Diese Kraft, diese unvorstellbare Glaubensstärke, aus der Gemütsseele heraus – das war eigentlich die große Kraft, die da im Urchristentum gewirkt und gewaltet hat.
Und dann gehen die Jahrhunderte ins Land und man sieht immer noch nicht furchtbar viel. Und dann sieht man plötzlich, wie das ganze riesige Imperium Romanum, das von Spanien und England und Deutschland über den ganzen Balkanischen Raum bis tief in den Vorderasien und über ganz Nordafrika ausgestreckt ist, in sich zusammenbricht. Ausgelöst vor allen Dingen durch den Einfall der Germanen und Kelten aus dem Norden, der Ost- und Westgoten im 5. Jahrhundert. Dieses 5. Jahrhundert nach Christus ist das Jahrhundert, wo Europa von Grund auf geschüttelt wird. Wo die Völkerwanderung die ganzen Menschen über ganz Europa verstreut hat. Plötzlich sind die im Norden Lebenden im Süden angelangt, die Ostgoten.
Alarich, der Ostgotenkönig, stand 410 auf dem Areopag in Athen, also dem eigentlichen Zentrum der griechischen Kultur, und hielt eine Riesenrede an die damalige Menschheit. Die Ostgoten hatten dann ganz Italien und Rom erobert. Also da sieht man plötzlich, wie ganz junge Völker – ungebildet bis dort hinaus, aber stark, mutig, Kämpfer –, wie die jetzt dieses hochkultivierte, aber eben zerbröckelnde, dekadent gewordene Römische Reich überwältigen. Und da ist sozusagen die Grundlegung des zukünftigen Europas im 5. Jahrhundert.
Und da taucht nun eine Gestalt auf. In diesem 5. Jahrhundert, 480 geboren – man weiß es nicht ganz genau, aber so ungefähr: Der nennt sich Benedikt von Nursia.
Das ist eine ganz entscheidende, absolut muss ich sagen, einer derjenigen, die im aristotelischen, im prometheischen Sinne wiederum die Zukunft vorausgesehen haben. Der Benedikt von Nursia, in Umbrien in Italien, der war zuerst Einsiedler, wie auch überhaupt in der Zeit des frühen Christentums, dass es sehr viele Einsiedler gab, die durch ihre Einsiedelei sich sozusagen geknechtet haben in ihrem physischen Leib, um zu höherer Erkenntnis zu kommen. Also sie haben auf alles verzichtet, Verzichtleistung, Verzichtleistung auf äußere Reichtümer.
War lange Zeit Einsiedler, und dann hat er sich herausbegeben und hat seine Einsichten, die er gewonnen hat in dieser Phase der Selbstkasteiung, unters Volk getragen und hat dann begründet den Benediktinerorden.
Das ist der erste Orden überhaupt, der entstanden ist. Und das ist ein Landwirtschaftsorden. Das ist ein Orden, der eigentlich die Handwerke umfasst, aber auf der Basis der Landwirtschaft. Und die Begründung ist das Kloster Monte Cassino, das liegt von Neapel in Richtung Rom. Monte Cassino – im Zweiten Weltkrieg übrigens total zerstört, ist aber heute wieder aufgebaut.
Dieser Benedikt von Nursia hat nun Folgendes gemacht: Er hat das gesamte Wissen, was zu seiner Zeit in Bezug auf den Landbau bestand – also alles das, was hier sozusagen diese Strömungen des Landbaus waren, was sich dann im alten Römertum, die Römer haben das schon auf einen Schritt weitergebracht –, das hat er aufgegriffen und hat jetzt einen ganz neuen Impuls gesetzt: Dieses Wissen zusammenzufassen und jetzt als Ganzes, nicht nur als Teilwissen gebunden an irgendwelche Familien im Erbstrom, sondern jetzt zur Grundlage der Tätigkeit seines Mönchsordens zu machen. Die Erde zu kultivieren und mit der Kultivierung der Erde den Menschen zu kultivieren.
Und dieser Benedikt von Nursia wurde ja dann auch genannt in der Folge der Vater Europas. Der hat nämlich folgenden Wahlspruch in die Welt gesetzt, einen großen Wahlspruch, der dann über das ganze Mittelalter gegolten hat: Ora et Labora. Das kennen Sie ja alle dieses Wort: Bete und arbeite. Das heißt so viel wie: Arbeite nach außen, verwandle die Natur; arbeite nach innen, verwandle dich selbst. Bete heißt eigentlich: Arbeite an dir selbst, verwandle dich selbst. Und dann werde tätig und verwandle die Welt, die Natur. Das ist der große Wahlspruch, der das ganze Mittelalter beherrscht.
Das esoterische Christentum: Kolumban und die irisch-schottischen Mönche 00:59:24
Und nun, dieser Orden, der Benediktiner, hat also erstmal die großen Marksteine gesetzt, im Beginn des 6. Jahrhunderts. Und jetzt sieht man, wie da eine Strömung sich entwickelt, die jetzt ausstrahlt von Italien, von Rom, über die Alpen hinweg. Da zieht von Süden nach Norden eine Strömung dieses benediktinischen Elementes herüber, und schon um das Jahr 512 etwa ist die Stadt Chur in der Schweiz, also im Rheintal, begründet. Da sind die über die Pässe herübergekommen und haben ihre erste christliche Klostergründung da in Chur verankert. Und von dort strahlt es immer weiter aus ins ganze Bodenseegebiet und immer weiter nach Süddeutschland. Das sogenannte Petrinische Christentum – das Petrinische, was also auf Petrus, also den Fels, begründet ist, das ist sozusagen der Begründer dessen, was von Rom ausgegangen ist, der Jünger Petrus.
Das ist die eine Strömung, die jetzt da anfängt im 6. Jahrhundert wirksam zu werden in deutschen Landen.
Und dann gibt es da eben noch eine zweite Strömung. Auf die möchte ich nochmal besonders eingehen, die ist nämlich völlig unbekannt. Alles andere ist eigentlich ziemlich deutlich, heute verfolgbar, was da alles geschehen ist im 5., 6., 7. Jahrhundert. Aber es gibt eine zweite Strömung, die völlig in der Verborgenheit – damals keineswegs, aber dann in Vergessenheit geraten ist.
Und das ist eine Strömung, die jetzt nicht nur von Süden nach Norden über die Alpen gekommen ist, sondern von Westen nach Osten. Und das sind die irisch-schottischen Mönche. Man weiß davon gewiss, aber man weiß dann nichts weiter Genaues zu verbinden. Diese Iren, die dann auch nach Schottland missioniert haben, aber dann eben aus Irland hinübergekommen sind nach Frankreich und von dort aus über Frankreich dann auch bis in die deutschen Lande – ein ganz anderes Christentum vermittelt haben als das Petrinische. Fast gegensätzlich.
Nämlich: Wenn man das Petrinische Christentum das exoterische Christentum nennen soll – also dasjenige, was sich auf äußere Ereignisse bezieht, auf äußere Dokumente bezieht, was einen eigenen Kultus entwickelt hat, anlehend an die alten ägyptischen Kulte, die stecken ja nämlich alle in der katholischen Kirche drin –, also wo die ganze Vergangenheit sich verdichtet hat im Petrinischen Christentum, exoterisch –, so ist das Christentum, was diese wenigen Menschen, die da von Irland herüberkamen, über den Kanal nach Frankreich und dann nach Deutschland, das waren Menschen, die waren Träger des esoterischen Christentums.
Das waren die Fortsetzer der alten hibernischen Mysterien. Die hibernischen Mysterien haben sich am längsten gehalten, nachdem die alten Mysterien alle schon untergegangen waren, in Griechenland und auch in Ägypten sowieso. Und die haben aus ihrem Mysterienwissen und aus ihren Anschauungen heraus, haben die teilgenommen an den Mysterien von Golgatha und haben es erlebt als ein rein geistiges Erlebnis. Die hatten gar keine Dokumente, aber die wussten: Es hat stattgefunden. Die haben gemerkt, da ist in der ganzen geistigen Atmosphäre etwas Gewandeltes. Und aus dieser Kenntnis, aus diesem Wissen heraus stammt das ganze esoterische Christentum dieser Mönche, die da nach Osten gewandert sind und kulturbegründend gewirkt haben.
Und einer von denen ist der Kolumban der Jüngere. Es gibt noch einen Kolumban den Älteren, der hat in Schottland missioniert. Dieser Kolumban der Jüngere mit seinen Genossen, das war eine unbeschreibliche Gestalt. Von dem sagt die Legende, der ist da oben in Nordirland geboren, in Bangor, das gehört heute noch zum englischen Teil von Irland. Und da geht die Legende so, dass er jetzt seiner Mutter sagt: Ich ziehe fort. Und das hieß immer dieses Wort auf Nimmerwiedersehen. Und er hat sich seine Mutter vor Verzweiflung quer über die Türschwelle geschmissen, um ihm den Weg zu versperren. Und er steigt über seine Mutter hinweg und sagt: Ade und auf Nimmerwiedersehen – um seiner Mission jetzt zu folgen.
Und diese Mission bestand darin – man muss sich das mal vorstellen, das ist Ende des 6. Jahrhunderts –, zieht er dann nach Frankreich. Und in Frankreich sind immer noch heidnische Könige. Klodwig fängt jetzt zwar an, das Christentum auszubreiten, aber es ist noch sehr gefährlich da. Er hat zwei Klöster gegründet im südlichen Burgund, aber dann wurde er rausgeschmissen aus Frankreich und wurde ausgewiesen zurück nach Irland. Das hat er nicht gemacht, sondern ist dann über die Mosel zurück an den Rhein, den ganzen Rhein hoch über Straßburg, Basel bis an den Bodensee. Und die Legende sagt: 610 setzte Kolumban seinen Fuß auf die Insel Reichenau.
Und das Erste, was er tat, so sagt die Legende, war das ganze Schlangengezücht in Wildschweingestalt von der Insel zu bannen. Nun, dieses Bild ist natürlich sehr zu hinterfragen, aber es sagt ungeheuer viel. Damals haben die Menschen sich über Bilder verständigt, nicht in einer begrifflichen Sprache. Und wenn man das jetzt versucht zu übersetzen auf unsere Zeitbewusstseinssele, dann würde ich sagen: Das heißt, das ganze Schlangengezücht in Wildschweingestalt von der Insel zu bannen – ich kann nicht dulden, wenn ich meine eigene Seele geläutert und verwandelt habe, dass die Welt da draußen nicht entsprechend verwandelt wird. Das muss eine Harmonie sein zwischen innen und außen. Das, was ich als Mensch mir erarbeitet habe an Menschenverständnis, das muss die Grundlage sein für meine Arbeit, die ich jetzt zu tun habe in der Natur. Da leuchtet auf andere Art das Ora et Labora wieder auf: O Mensch, verwandle dich selbst, und damit gewinnst du die Kraft, die Erde zu verwandeln.
Dieser Kolumban war nicht der Begründer des Klosters Groß-Reichenau. Das war erst ein paar Jahrzehnte später durch den Abt Pirmin. Aber dieser Kolumban hat lange im Bodenseegebiet gelebt. Seine Schüler oder Mitstreiter wurden dann zu Begründern von allem möglichen: Gallus war ein Schüler von Kolumban und hat das Kloster St. Gallen begründet. Radolfzell am Bodensee ist auch ein Schüler des Kolumban gewesen.
Und so kommt jetzt dieser Kolumban an den Bodensee und trifft auf das exoterische Christentum. Zu der Zeit waren schon große Klosteransiedlungen vom benediktinischen Christentum rund um den Bodensee da – vor allem dann im 9. Jahrhundert, sodass da eine ungeheure Kultur aufblühte. Und jetzt kommt dieses esoterische Christentum von Westen den Rhein herauf, und die befruchten sich jetzt, diese beiden. Deswegen hat der Bodenseeraum kulturhistorisch eine so ungeheure Bedeutung für die Entwicklung des Abendlandes. Die Reichenau war das Zentrum.
Und Kolumban hatte die Absicht, nachdem er dann längere Zeit im Bodenseeraum gelebt hatte, über die Alpen rüberzugehen, um nach Rom zu gehen – um das Exoterische mit dem esoterischen Christentum zu verbinden. Und ehe er nach Rom kam, in Bobbio in Norditalien ist er gestorben. Sodass das nie stattgefunden hat. Und das ist eine ungeheure Tragik, könnte man sagen, für die ganze abendländische Entwicklung. Dass diese beiden Elemente des christlichen Verständnisses – das Exoterische, was recht äußerlich ist, ganz auf Dokumente sich begründet und die ganze Theologie begründet hat, und auf der anderen Seite dieses esoterische Wissen um die Tatsache, dass das Christusereignis ein kosmisch-irdisches Ereignis war, nicht nur ein irdisches –, dass diese nie wirklich zusammengefunden haben.
Die Mönche im Wald: Die Urzelle Europas 01:11:08
Also, da ziehen jetzt so Mönche einsam durch die Lande, durch Europas Wälder. Alles war bewaldet. Und alles waren Sumpfwälder. Alles war Sumpf. Eigentlich war Europa ein einziger großer Sumpf. Das hält man heute gar nicht mehr für möglich, weil damals war kein Fluss reguliert. Sondern das waren alles noch sozusagen große, relativ abflusslose Gebiete, Moore, Sümpfe, alles Wald. Und nur die Menschen lebten mehr an Flussrändern und Seenrändern, wo sie sich auf dem Wasser und auf dem Boden bewegen konnten. Sonst waren die Wälder nahezu undurchdringlich.
Und das war ja auch ein Grund, warum die Römer so furchtbar Angst hatten hier in Mitteleuropa, weil die den Wald nicht aushalten konnten. Die Römer brauchten immer Licht bis auf den Boden unten. Dann waren sie selber innerlich da. Dann konnten sie denken. Aber sobald der Wald um sie herum war, dann war das so ein bisschen wie Hänsel und Gretel. Dann war das noch irgendwie atavistisch. Und die einzige Zeit, wo die Römer wirklich aufs Haupt geschlagen worden sind von den Germanen, das war, weil die Germanen es verstanden haben, sie im Wald zu stellen – im Teutoburger Wald. Da war ihre ganze Macht gebrochen.
Also, da ziehen jetzt so Mönche einsam durch die Lande, tragen das esoterische Christentum in sich. Das heißt, sie haben ein Bewusstsein davon: Ich muss mich innerlich selber verwandeln, wenn sich überhaupt etwas in der Welt entwickeln soll. Und dann gehen die da so durch die Lande und kommen plötzlich an irgendeine heidnische Quelle, wo ein heidnisches Quellenheiligtum war. Und dann lassen sie sich da nieder und bauen sich eine kleine Kapelle aus Holz zusammengezimmert und fangen an, jetzt um diese Kapelle herum die Bäume abzuholzen.
Also ein Eingriff in die Natur ohnegleichen. Sie holzen den Wald ab, den wilden Wald, legen die Sümpfe trocken, leiten das Wasser ab. Und schaffen um diesen Mittelpunkt ihrer kleinen Kapelle und ihrer Quelle eine Lichtung in den Wäldern. Und nicht allesbald tauchen jetzt alle möglichen Gestalten aus den dunklen Wäldern auf, irgendwo, wo sie eben lebten. Und so haben sie ungefähr gefragt: Was machst du da eigentlich? Und dann hat der Missionar ihm seine Geschichte erzählt und was er meint, was man jetzt tun müsste in der Welt. Und dann haben die angefangen ihm zu helfen, die Lichtung weiter abzuerweitern. Die Kapelle wurde dann auch zu klein, denn die wurden dann auch unterrichtet im Christentum. Die haben sich da angesiedelt, wollten sich da ansiedeln.
Und der hatte in seiner Tasche das Saatgut, das hat er dann ausgestreut, hat daraus dann seine Lichtung bestellt. Und so entstand jetzt plötzlich eine neue Landbaukultur. Und das Saatgut war alles das Ergebnis der vorchristlichen Zeit. Das hatten die bezogen aus Rom beziehungsweise aus allem, was das Kulturerreichnis dieser vorchristlichen Zeiten war. Das trug der sozusagen in seiner Tasche. Und da wurde plötzlich Weizen kultiviert, Roggen kultiviert und so weiter. Es blühte da plötzlich um diesen Mittelpunkt, diese Kapelle, jetzt eine neue Kultur auf.
Die vier Strömungen vereinen sich: Der mittelalterliche Hoforganismus 01:15:34
Also symptomatisch – das ist an jedem Ort ein bisschen anders. Der hat also diesen Impuls in sich getragen, der einzelne Mönch, sonst niemand. Das hat ihn so ergriffen innerlich, dass er jetzt nach außen eine neue Kultur begründen wollte. Und diese bestand darin, dass er hier sozusagen eine kleine Kapelle gebaut hat. Es dauerte nicht lange, dass das, was zunächst aus Holz gezimmert war, dann in Steinen gemauert worden ist. Und diese gemauerten Kapellen, die waren noch ganz gedrungene Gebäude, unglaublich dicke Mauerwerke, ganz schmale Öffnungen von den Fenstern, Rundbogen, Mauern so dick wie Festungen und sich noch immer unter die Bäume duckend. Die haben noch nicht über die Bäume rausgeguckt, also über den Wald. Und das ist sozusagen das Urbild der heraufkommenden Romanik als Kunstentwicklung nördlich der Alpen.
Und jetzt fangen sich an hier die Menschen drumherum anzusiedeln. Nicht nur der Mönch, sondern alles, was an Urbevölkerung in der Gegend lebte, siedelt sich an. Und jetzt vollzieht sich eben dieser wunderbare Vorgang, dass dasjenige, was da einstmals die Hirtenvölker waren – das erscheint jetzt in Verwandlung durch diesen Impuls hindurch, hier plötzlich wieder. Und zwar so, dass jetzt diese Hirtenvölker nicht mehr durch die Gegend wandern, nomadisieren, sondern dass das Rind unter einem Dach mit den Menschen gewissermaßen sesshaft wird. Dass das Rind als solches sesshaft wird mit den Menschen, mit der Stallhaltung. Also dieser Impuls der Hirtenvölker, der nomadisierenden Völker, der erscheint hier jetzt wieder, indem jetzt die Menschen, die da gesiedelt haben, unter ihrem eigenen Dach dieses Vieh gehalten haben.
Man muss natürlich, um das noch besser in den Zusammenhang zu stellen, sagen, dass die Kelten und die Germanen das alles schon leise vorveranlagt hatten. Die ganze megalithische Kultur der Kelten und Germanen hatte das schon leise vorveranlagt. Aber jetzt tritt es in völlig verwandelter Gestalt auf.
Und jetzt das Nächste ist, dass das, was hier an Gartenströmung ebenso im Durchgange durch dieses Ereignis wieder neu auftaucht: Indem jetzt sich hier ein Saum von Bauerngärten herumlegt um das Zentrum des Dorfes. Der Bauerngarten, der Klostergarten, wo Kräuter, Heilkräuter, Blumen, Gemüse und so weiter angebaut worden sind.
Also: Viehhaltung, Gartenbau. Und dann als weiteres sehen wir jetzt, wie auch hier der Obstbau sich neu in einer neuen Konfiguration zeigt, als ein Saum um dieses Zentrum herum. Das kann man heute noch in den Dörfern in Süddeutschland sehen, dass um jedes Dorf herum ursprünglich ein Saum von Hochstämmen angepflanzt war. Das waren die Kälberweiden, mit Bäumen bestanden, mit Obstbau. Und da waren alle Sorten, die man sich zur damaligen Zeit nur denken konnte, versammelt. Und Karl der Große hat sogar seinen untergeordneten Königshöfen zur Pflicht gemacht, dass jeder Hof mindestens einen Obstbaum auf dem Hof stehen hat. Das war per Dekret sozusagen.
Also jetzt taucht hier plötzlich der Obstbau auf. Und dann kam der Ackerbau auch, im Durchgang durch dieses Christliche, indem man sich hier einen Saum um das Ganze herumlegte. Und in Verbindung mit dem Ackerbau dann die Wiesenwirtschaft. Denn wo es feucht war, hatte man natürlich das Dauergrünland. Und dann das Ganze vom Wald umgeben.
So: Viehhaltung in der Mitte, Gartenbau direkt um die Bauerngehöfte herum, dann der Obstbau, der Ackerbau und die Wiesenwirtschaft, und das Ganze umschlossen vom Wald. Das ist die Grundlegung Europas. Das ist der Organismus der Landwirtschaft.
Erst jetzt – bis dato war es der Organismus im Naturwachstum. Und jetzt plötzlich erscheint über ganz Europa, im Verlauf des Frühmittelalters dann ins Hochmittelalter, über ganz Europa – ob das jetzt England ist, oder Frankreich, oder Deutschland, später Skandinavien, noch später Osteuropa –, überall dasselbe Prinzip. Ein Mittelpunkt, und darum herum die Ansiedlung in Form des Dorfes, die Viehhaltung hereingenommen nahe an diesen Mittelpunkt, also am Abel-Bewusstsein nahe an diesen Mittelpunkt. Und dann der ganze Gartenbau direkt um die Bauerngehöfte herum, und dann der Obstbau, der Ackerbau – und das Ganze umschlossen vom Wald.
Das ist, wenn ich es so mache, die Urzelle Europas. Die Urzelle Europas! Denn damals, wo das sich entwickelt hat, gab es kaum Städte. Die ganzen Städte, die die Römer begründet haben nördlich der Alpen, waren alle ausradiert. Es gab eigentlich nach der Völkerwanderung überhaupt keine Städte mehr. Und die eigentliche neue Kulturbegründung Europas fußte auf einem benediktinischen und zugleich esoterischen, auf der irischen Grundlage beruhenden Bewusstsein. Und daraus entstand jetzt dieses in sich abgeschlossene Ganze. Eine höhere Ganzheit. Ein Organismus, wo sich die Errungenschaften der vorchristlichen Zeit jetzt versammeln zu einer Ganzheit.
Und der Bauer, der hier jetzt lebt, ist nicht mehr nur Hirte. Es gab natürlich noch lange den Schweinehirten, es gab noch lange auch den Schafhirten, selbstverständlich. Aber die waren integriert in das Ganze. Und der Bauer war Tierhalter, war zugleich Gartenbauer, war Obstbauer und Ackerbauer in einer Person. Und das ist das Erwachen des Ich. Das Ich schafft Ganzheiten.
Vorher ist man noch irgendwo geistgeführt in der vorchristlichen Zeit – da war man also irgendwo hineingeboren in eine bestimmte Strömung und blieb es Zeitlebens. Und jetzt plötzlich erwacht das Ich in den Menschen, sein Ich-Erwachen, was dazu führt, dass jetzt dieses, was hier mehr oder weniger getrennt sich entwickelt hat, jetzt in einer Ganzheit zusammenkommt. Deswegen hat man auch Benedikt von Nursia den Vater Europas genannt.
Publikumsfrage: Das heißt dann aber, die Spezialisierung in der Landwirtschaft, wie wir sie selbst aus so einem Betrieb wie dem Dottenfelderhof haben, mit den unterschiedlichen Bereichen – widerspricht das denn eigentlich dem Erwachen des Ichs? Weil es nicht mehr in einer Person, weil die das nicht mehr alles mitgestalten kann?
Naja, das war auch hier so, das war ja eine Dorfgemeinschaft. Also da hat auch nicht der Einzelne irgendwo nur aus seinem Ich entschieden, sondern die Dorfgemeinschaft, die soziale Gemeinschaft des Dorfes hat sich dann entsprechende Rechte zugebilligt, so zu handeln oder so zu handeln. Also ich möchte mal sagen: Das war ein erstes Ich-Erwachen. Wir sind heute viel weiter. Wäre es gut, wenn wir das wüssten, dass es so ist.
Also dann machen wir morgen an dem Punkt weiter, wie sich das jetzt entwickelt durch das Hochmittelalter bis in die Neuzeit und bis in unsere Gegenwart. Vielen Dank.
Glossar
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